• US-POLITIK (04. Juli 2009)
Unabhängigkeitstag 2009
Rede des Geschäftsträgers

Berlin – (AD) – Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede des Geschäftsträgers a. i. der US-Botschaft, John M. Koenig, zum Unabhängigkeitstag der Vereinigten Staaten am 4. Juli 2009. Es gilt das gesprochene Wort.

Sehr verehrte Damen und Herren, Freunde, Kollegen, Angehörige der Berliner Botschaften,

vielen Dank, dass Sie heute mit uns den 233. Geburtstag der Vereinigten Staaten von Amerika feiern.

Am 4. Juli 1776, vor 233 Jahren, wurde ein neues Land gegründet. Für die Gründerväter der neuen Nation war die Aufgabe überwältigend. Die Bürger der dreizehn ursprünglichen Kolonien stammten aus den unterschiedlichsten Verhältnissen. Die Staatskasse war leer. Es gab kaum Organisationsstrukturen. All das kommt einem heute auf unheimliche Weise bekannt vor! Es scheint, wir haben viel mit unseren Gründervätern gemeinsam. Bleibt zu hoffen, dass wir zumindest einen Teil ihres Weitblickes und ihrer Weisheit besitzen.

Um ein neues Land zu gründen, erdachten sie innovative Lösungen für einige sehr kontroverse Themen - von den Befugnissen der Einzelstaaten über repräsentative Fragen bis hin zum Steuersystem. Ein gemeinsames Verständnis wurde aufgebaut. Die amerikanischen Gründerväter ließen die Politik, die sich nur auf die Interessen der einzelnen Staaten bezog, hinter sich und schufen eine Reihe demokratischer Leitlinien. Die Vision von der Gesellschaft, der Beziehung zwischen dem Bürger und der Regierung, wie sie in der Unabhängigkeitserklärung verankert war, war einfach, aber sie inspirierte damals wie heute Frauen und Männer auf der ganzen Welt.

Bundeskanzlerin Merkel sagte vergangene Woche in Washington, dass ebendiese gemeinsamen Werte das Besondere an der transatlantischen Partnerschaft seien. Die demokratischen Rechte der Bürger – sich zu versammeln, ihre Meinung frei zu äußern und in ihren Ansichten Gehör zu finden – das sind Wünsche, die alle Menschen teilen. Sie bilden die Grundlage unserer Partnerschaft.

In diesem Jahr, in dem wir das 60-jährige Bestehen des Grundgesetzes und der Bundesrepublik feiern, den 20. Jahrestag der friedlichen Revolution, die die Berliner Mauer zum Einsturz brachte, und, wenn Sie erlauben, auch das einjährige Bestehen unserer neuen Botschaft am Pariser Platz, fühlen wir uns an diese grundlegenden Werte erinnert.

Heute kann kein Land den gewaltigen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts alleine begegnen. Wir arbeiten zusammen an der Bewältigung der globalen Wirtschaftskrise, den schwierigen Fragen im Bereich der Energie und des Klimawandels und der Umsetzung neuer Parameter für die nationale und internationale Sicherheit im 21. Jahrhundert - mit der Würde als Maßstab, wie Bundeskanzlerin Merkel vergangene Woche in Washington sagte.

Präsident Barack Obama hat schon häufig über seine Verehrung für Abraham Lincoln, den 16. Präsident der Vereinigten Staaten, gesprochen. Bitte nehmen Sie sich einen Augenblick Zeit für unsere Ausstellung anlässlich des 200. Geburtstags Abraham Lincolns.

Präsident Lincoln hielt eine der berühmtesten Reden in der Geschichte der Vereinigten Staaten: die Rede von Gettysburg. Er sprach anlässlich der offiziellen Widmung einer Gedenkstätte für all diejenigen, die bei der Schlacht von Gettysburg ums Leben gekommen waren, die am heutigen Datum, dem 3. Juli 1863, ihren Höhepunkt fand. Lincoln betonte das Prinzip der Gleichheit der Menschen, wie es in der Unabhängigkeitserklärung geschrieben steht: den Grundsatz, dass “alle Menschen gleich geschaffen“ sind.

Heute ist es wieder “an uns, den Lebenden", sicherzustellen, dass uns Lincolns Worte von vor 146 Jahren an unsere Pflicht für die Zukunft erinnern: dass die Regierung des Volkes durch das Volk für das Volk nicht von dieser Erde verschwinden darf.

Präsident Obama würdigte vergangene Woche in Washington die starke deutsch-amerikanische Partnerschaft.

Im Namen der Botschaft habe auch ich die Ehre und das Privileg, den „Dienst unserer Frauen und Männer in Uniform, die während eines langen Kalten Krieges Seite an Seite standen und heute in Afghanistan dienen, die Innovationen unserer Unternehmer, die uns halfen, unsere Volkswirtschaften zu stützen sowie die Bande der Freundschaft und des Vertrauens zwischen unseren Bürgern, die unzerbrechlich sind“ zu würdigen. [Zitat von Präsident Obama, Pressekonferenz mit Bundeskanzlerin Merkel am 26. Juni.] Meine berufliche und private Verbundenheit mit Berlin und Deutschland reicht mehr als zwanzig Jahre zurück, bis in die Zeit, als diese Stadt noch durch eine Mauer geteilt war.

Ich bin dankbar für all das, was wir durch unsere gemeinsame Arbeit – auch während ausgesprochen schwieriger Zeiten – erreicht haben.

Dieser 4. Juli ist für Natalie und mich ein sehr besonderer Tag, denn er steht im Zeichen unseres Abschieds von Deutschland. Heute in einer Woche werden wir Berlin verlassen - ich spreche daher mit sehr gemischten Gefühlen zu Ihnen.
Wir fühlen uns mit dem Großmut und der Gastfreundschaft der Menschen dieser Stadt und mit diesem vielfältigen, faszinierenden Land persönlich eng verbunden. Wir werden Sie alle vermissen, aber wir werden uns stets an Sie und an diesen wunderschönen Abend erinnern und freuen uns darauf, Berlin wieder zu besuchen.

Vielen Dank. Gott segne Sie.

Originaltext: Independence Day
siehe: http://germany.usembassy.gov/