- • USA-EUROPA (06. April 2009)
Große Nationalversammlung der Türkei
- Rede des Präsidenten
ANKARA (AD) Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von US-Präsident Barack Obama vor dem türkischen Parlament vom 6. April 2009.
Herr Parlamentspräsident, sehr geehrte Stellvertretende Parlamentspräsidentin, sehr verehrte Abgeordnete - es ist mir eine Ehre, in diesem Saal zu sprechen, und ich fühle mich der Erneuerung des Bündnisses zwischen unseren beiden Nationen und der Freundschaft zwischen unseren Bürgern verpflichtet.
Dies ist meine erste Auslandsreise als Präsident der Vereinigten Staaten. Ich habe am G20-Gipfel in London, am NATO-Gipfel in Straßburg und dem Gipfeltreffen zwischen der EU und den Vereinigten Staaten in Prag teilgenommen. Man hat mich gefragt, ob ich mich zu einer Fortsetzung meiner Reise nach Ankara und Istanbul entschieden habe, um der Welt eine Botschaft zu schicken. Meine Antwort ist einfach: Evet - ja. Die Türkei ist ein bedeutender Bündnispartner. Die Türkei ist ein wichtiger Teil Europas. Die Türkei und die Vereinigten Staaten müssen zusammenstehen und zusammenarbeiten - um die Herausforderungen unserer Zeit zu meistern.
Heute Morgen hatte ich das Privileg, das Grabmal des herausragenden Gründers Ihrer Republik zu besuchen. Ich war zutiefst beeindruckt von diesem wunderschönen Denkmal für einen Mann, der so viel zur Gestaltung der Geschichte beigetragen hat. Es ist jedoch auch klar, dass die größte Erinnerung an Atatürks Leben nicht in Stein und Marmor gefasst werden kann. Sein größtes Vermächtnis ist die starke, lebendige, säkulare Demokratie der Türkei. Diese Arbeit führt die türkische Nationalversammlung heute fort.
Es war nicht leicht, diese Zukunft zu sichern; es gab für sie keine Garantie. Am Ende des Ersten Weltkriegs hätte die Türkei den ausländischen Mächten nachgeben können, die Ansprüche auf ihr Staatsgebiet erhoben, oder versuchen können, ein altes Reich wiederherzustellen. Aber die Türkei hat sich für eine andere Zukunft entschieden. Sie haben sich aus ausländischer Herrschaft befreit und eine Republik gegründet, die den Respekt der Vereinigten Staaten und der Welt insgesamt gebietet.
Diese Geschichte enthält eine einfache Wahrheit: Die türkische Demokratie ist Ihre eigene Errungenschaft. Sie wurde Ihnen weder von einer ausländischen Macht aufgezwungen, noch wurde sie ohne Kämpfe und große Opfern erlangt. Die Stärke der Türkei geht sowohl aus den Erfolgen der Vergangenheit als auch aus den Anstrengungen jeder türkischen Generation hervor, die für ihr Volk neue Fortschritte erzielt.
Die Demokratie meines Landes hat auch eine Geschichte. Der General, der den Unabhängigkeitskrieg Amerikas führte und als unser erster Präsident regierte, war, wie Sie wissen, George Washington. Wie Sie errichteten auch wir zu Ehren unseres Gründervaters ein Denkmal ein hoch aufragender Obelisk im Herzen unserer Hauptstadt, die den Namen Washingtons trägt. Aus einem Fenster des Weißen Hauses kann ich das Washington Monument jeden Tag sehen.
Es dauerte Jahrzehnte, bis es gebaut war. Immer wieder gab es Verzögerungen. Im Verlauf der Zeit trugen immer mehr Menschen dazu bei, dieses Denkmal zu der inspirierenden Konstruktion zu machen, die noch heute in den Himmel ragt. Unter denjenigen, die uns zu Hilfe kamen, waren Freunde aus aller Welt, die Washington und dem Land, zu dessen Gründung er beitrug, auf Ihre Art Ehre erwiesen.
Eine dieser Ehrenbezeugungen kam aus Istanbul. Der osmanische Sultan Adbulmecid schickte eine Marmortafel, die zum Bau des Washington Monument beitrug. Auf dieser Tafel befand sich ein Gedicht, das mit einigen einfachen Worten begann: "Zur Stärkung der Freundschaft zwischen unseren beiden Ländern." Über 150 Jahre sind vergangen, seit diese Worte in Marmor gemeißelt wurden. Unsere Länder haben sich in vieler Hinsicht verändert. Aber unsere Freundschaft ist stark und unser Bündnis dauerhaft.
Es ist eine Freundschaft, die sich in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelte, als Präsident Truman unser Land zur Verteidigung der Freiheit und Souveränität der Türkei verpflichtete und die Türkei der NATO beitrat. Türkische Truppen haben von Korea über Kosovo bis nach Kabul an unserer Seite gedient. Gemeinsam haben wir die große Bewährungsprobe des Kalten Kriegs überstanden. Der Handel zwischen unseren Ländern hat stetig zugenommen. Das gleiche gilt für die Zusammenarbeit in Wissenschaft und Forschung.
Die Verbindungen zwischen unseren Bürgern sind ebenfalls tiefer geworden, und immer mehr Amerikaner türkischer Herkunft leben und arbeiten erfolgreich in unserem Land. Als Basketballfan ist mir sogar aufgefallen, dass Hedo Turkoglu und Mehmet Okur ziemlich gut spielen.
Die Vereinigten Staaten und die Türkei waren sich nicht immer einig, aber das ist auch nicht anders zu erwarten das ist bei keinen zwei Ländern so. Aber wir haben in den letzten 60 Jahren gemeinsam viele Herausforderungen gemeistert. Aufgrund ihres starken Bündnisses und ihrer dauerhaften Freundschaft sind die Vereinigten Staaten und die Türkei stärker und die Welt sicherer.
Heute sehen sich unsere beiden Demokratien nie da gewesenen Herausforderungen gegenüber. Einer Wirtschaftskrise, die keine Grenzen kennt, Extremismus, der zum Mord an unschuldigen Männern, Frauen und Kindern führt, Belastungen unserer Energieversorgung sowie der Klimawandel, die Verbreitung der tödlichsten Waffen der Welt und beharrlich andauernde tragische Konflikte.
Dies sind die großen Bewährungsproben unseres jungen Jahrhunderts. Die Entscheidungen, die wir in den kommenden Jahren treffen, werden bestimmen, ob die Zukunft von Angst oder Freiheit, von Armut oder Wohlstand, von Streit oder einem gerechten, sicheren und dauerhaften Frieden geprägt sein wird.
Eines ist sicher: Kein Land kann diesen Herausforderungen im Alleingang begegnen, und alle Länder haben ein Interesse daran, sie zu bewältigen. Deshalb müssen wir einander zuhören und Gemeinsamkeiten finden. Deshalb müssen wir auf unseren gemeinsamen Interessen aufbauen und unsere Meinungsverschiedenheiten überwinden. Wir sind stärker, wenn wir gemeinsam handeln. Diese Botschaft habe ich auf meiner Europareise immer wiederholt. Diese Botschaft habe ich überbracht, als ich die Ehre hatte, Ihren Präsidenten und Ihren Ministerpräsidenten zu treffen. Dies wird die zukünftige Vorgehensweise der Vereinigten Staaten von Amerika sein.
Schon jetzt arbeiten die Vereinigten Staaten und die Türkei mit der G20 an einer beispiellosen Reaktion auf eine beispiellose Wirtschaftskrise. In der letzten Woche sind wir zusammengekommen um zu gewährleisten, dass die größten Volkswirtschaften der Welt stark und koordiniert handeln, um das Wachstum anzuregen und den Kreditfluss in Gang zu bringen, dem Druck des Protektionismus zu widerstehen, den Entwicklungsländern und den vom Abschwung am härtesten getroffenen Ländern die Hand zu reichen sowie unser Regulierungssystem drastisch zu reformieren, damit die Welt eine solchen Krise nie wieder erleben muss.
In Zukunft können die Vereinigten Staaten und die Türkei viele Chancen ergreifen, die dem Wohlstand ihrer Bürger dienen. Mit dem Präsidenten habe ich heute Morgen über eine Ausweitung der Wirtschafts- und Handelsbeziehungen gesprochen. Im Energiesektor bieten sich enorme Chancen zur Schaffung von Arbeitsplätzen. Wir können neue Quellen erschließen, nicht nur, um uns von der Abhängigkeit von anderen Energieformen den Energiequellen anderer Länder - zu befreien, sondern auch, um den Klimawandel zu bekämpfen. Wir sollten den internationalen Fonds für saubere Energietechnologien nutzen, um Investitionen in Effizienz und erneuerbare Energien in der Türkei zu fördern. Zur Stimulierung der Märkte in der Türkei und Europa wollen die Vereinigten Staaten Ihre zentrale Rolle als Ost-West-Korridor für Öl und Erdgas weiter fördern.
Diese wirtschaftliche Zusammenarbeit stärkt die gemeinsame Sicherheit noch, die Europa und die Vereinigten Staaten mit der Türkei als NATO-Bündnispartner teilen, ebenso wie die gemeinsamen Werte, die wir als Demokratien teilen. Bei der Bewältigung der Herausforderungen des 21. Jahrhunderts müssen wir also die Stärke eines Europas anstreben, das wirklich geeint, friedlich und frei ist.
Ich sage es also ganz deutlich: Die Vereinigten Staaten unterstützen den Antrag der Türkei auf Mitgliedschaft in der Europäischen Union nachdrücklich. Wir sprechen nicht als Mitglied der EU, sondern als enger Freund sowohl der Türkei als auch Europas. Türkei ist ein entschlossener Verbündeter und verantwortungsvoller Partner in transatlantischen und europäischen Institutionen. Die Türkei verbindet mehr mit Europa als nur die Brücken über den Bosporus. Jahrhunderte gemeinsamer Geschichte und des Handels miteinander verbinden sie. Europa gewinnt durch die Vielfalt an Ethnizität, Tradition und Glauben es verliert dadurch nicht. Die Mitgliedschaft der Türkei würde die Grundlagen Europas erneut erweitern und stärken.
Die Türkei trägt natürlich ebenfalls Verantwortung. Sie haben für diese Mitgliedschaft Fortschritte gemacht. Ich weiß allerdings auch, dass die Türkei schwierige politische Reformen nicht nur durchgeführt hat, weil es sich positiv auf eine EU-Mitgliedschaft auswirkt, sondern auch, weil es richtig für die Türkei ist.
In den letzten Jahren haben Sie die Staatssicherheitsgerichte abgeschafft und den Anspruch auf einen Rechtsbeistand erweitert. Sie haben das Strafgesetzbuch reformiert und Gesetze zur Regelung der Presse- und Versammlungsfreiheit gestärkt. Sie haben Verbote in Bezug auf den Kurdischunterricht und Radiosendungen in kurdischer Sprache aufgehoben, und die Welt nahm mit Respekt das wichtige Zeichen zur Kenntnis, dass Sie über einen neuen kurdischen Fernsehsender setzten.
Diese Leistungen haben zu neuen Gesetzen geführt, die umgesetzt werden müssen, und zu Impulsen, die erhalten bleiben sollten. Denn Demokratien können nicht statisch sein sie müssen sich bewegen. Religions- und Meinungsfreiheit führen zu einer starken und lebendigen Zivilgesellschaft, die den Staat nur stärken kann. Deshalb sind Schritte wie die Wiedereröffnung des Seminars von Halki ein wichtiges Signal innerhalb und außerhalb der Türkei. Ein dauerhaftes Bekenntnis zur Rechtsstaatlichkeit ist die einzige Möglichkeit, die Sicherheit zu erlangen, die sich aus Gerechtigkeit für alle ergibt. Mit soliden Rechten für Minderheiten kann die Gesellschaft in vollem Ausmaß von den Beiträgen aller Bürger profitieren.
Ich sage dies als Präsident eines Landes, das es vor nicht allzu langer Zeit noch sehr schwer für jemanden gemacht hat, der aussieht wie ich, zu wählen ganz zu schweigen davon, Präsident der Vereinigten Staaten zu werden. Aber eben diese Fähigkeit sich zu ändern, bereichert unsere Länder. Jede Herausforderung, der wir uns gegenüberfinden, kann leichter gemeistert werden, wenn wir auch auf unsere eigenen demokratischen Grundlagen achten. Diese Arbeit ist nie vollendet. Deshalb haben wir in den Vereinigten Staaten vor kurzem die Schließung des Gefangenenlagers in Guantánamo Bay angeordnet. Deshalb haben wir ohne Wenn und Aber die Anwendung von Folter verboten. Wir müssen uns alle ändern. Und Veränderungen sind manchmal schwierig.
Ein weiteres Thema, dem sich alle Demokratien auf dem Weg in die Zukunft stellen müssen, ist die Aufarbeitung der Vergangenheit. Die Vereinigten Staaten arbeiten sich noch immer durch einige dunklere Zeiten ihrer eigenen Geschichte. Gegenüber dem Washington Monument, von dem ich Ihnen erzählt habe, befindet sich das Denkmal für Abraham Lincoln, der diejenigen befreit hat, die auch nach der Revolution unter Washington noch versklavt waren. Unser Land hat noch immer mit dem Vermächtnis von Sklaverei und Rassentrennung sowie der Behandlung von amerikanischen Ureinwohnern in der Vergangenheit zu kämpfen.
Menschliche Unterfangen sind ihrer Natur gemäß nicht perfekt. Die Geschichte ist oft tragisch, aber ohne Aufarbeitung kann sie ein schweres Gewicht sein. Jedes Land muss seine Vergangenheit aufarbeiten. Die Vergangenheit in die Überlegungen mit einzubeziehen kann uns helfen, eine bessere Zukunft zu verwirklichen. Ich weiß, es gibt in diesem Saal feststehende Meinungen zu den schrecklichen Ereignissen von 1915. Und obwohl meine Ansichten viel kommentiert wurden, geht es doch eigentlich darum, wie Türken und Armenier ihre Vergangenheit bewältigen. Und für Türken und Armenier ist ein Prozess, in dem die Vergangenheit auf ehrliche, offene und konstruktive Weise aufgearbeitet wird, der beste Weg in die Zukunft.
Türkische und armenische Politiker haben bereits historische und mutige Schritte unternommen. Diese Kontakte versprechen einen Neuanfang. Eine offene Grenze würde Türken und Armeniern die Rückkehr zu einer friedlichen und erfolgreichen Koexistenz ermöglichen, von der beide Nationen profitieren würden. Sie sollten also wissen, dass die Vereinigten Staaten die vollständige Normalisierung der Beziehungen zwischen der Türkei und Armenien unterstützen. Für diese Sache lohnt es sich, sich einzusetzen.
Es spricht für die türkische Führung, dass Ihr Land das einzige in der Region ist, das normale und friedliche Beziehungen zu allen Ländern des südlichen Kaukasus unterhält. Zur Förderung dieses Friedens können Sie eine konstruktive Rolle bei der Beilegung des Konflikts in Berg-Karabach übernehmen, der schon viel zu lange andauert.
Zur Förderung von Frieden müssen auch die Dispute, die im östlichen Mittelmeerraum andauern, berücksichtigt werden Und hier gibt es Grund zur Hoffnung. Ihr Engagement für Verhandlungen im Rahmen der UNGOMAP-Mission bietet den beiden zyprischen Staatschefs eine Chance. Die Vereinigten Staaten sind bereit, den Parteien jede Hilfe zukommen zu lassen, die sie für eine gerechte und dauerhafte Lösung benötigen, im Rahmen derer Zypern zu einer bizonalen und bikommunalen Föderation vereint wird.
Diese Bestrebungen beziehen sich auf einen Teil der wichtigen Region, die die Türkei umgibt. Wenn wir uns die vor uns liegenden Herausforderungen Fall für Fall ansehen, haben wir dieselben Ziele.
Im Nahen Osten haben wir das gemeinsame Ziel eines dauerhaften Friedens zwischen Israel und seinen Nachbarn. Ich sage es ganz deutlich: Die Vereinigten Staaten unterstützen vehement das Ziel zweier Staaten, Israel und Palästina, die Seite an Seite in Frieden und Sicherheit leben. Das ist ein Ziel, das Palästinenser, Israelis und alle wohlgesinnten Menschen auf der Welt teilen. Dabei handelt es sich um ein Ziel, auf das sich die Parteien in der Road Map und in Annapolis geeinigt haben. Es ist ein Ziel, dass ich als Präsident der Vereinigten Staaten aktiv verfolgen werde.
Wir wissen, dass der vor uns liegende Weg schwer sein wird. Sowohl Israelis als auch Palästinenser müssen Schritte unternehmen, die zum Aufbau von Vertrauen nötig sind. Sowohl Israelis als auch Palästinenser müssen sich an die eingegangenen Verpflichtungen halten. Beide Seiten müssen seit langem bestehende Gemütsregungen und die Tagespolitik überwinden, um Fortschritte hin zu einem sicheren und dauerhaften Frieden zu machen.
Die Vereinigten Staaten und die Türkei können die Palästinenser und Israelis auf diesem Weg unterstützen. Wie die Vereinigten Staaten ist die Türkei ein Freund und Partner Israels in seinem Streben nach Sicherheit. Wie die Vereinigten Staaten wollen Sie eine Zukunft mit Chancen und einen Staat für die Palästinenser. Wir müssen jetzt zusammenarbeiten und dürfen dabei nicht in Pessimismus und Misstrauen verfallen. Wir müssen jede Chance für Fortschritt verfolgen, wie Sie es getan haben, indem Sie die Verhandlungen zwischen Syrien und Israel unterstützten. Wir müssen notleidenden Palästinensern die Hand reichen und ihnen gleichzeitig helfen, ihre eigenen Institutionen zu stärken. Wir müssen den Einsatz von Terror ablehnen und anerkennen, dass die Sicherheitsbedenken Israels gerechtfertigt sind.
Der Frieden in der Region wird auch gefördert, wenn Iran allen Ambitionen in Bezug auf Atomwaffen abschwört. Wie ich gestern in Prag gesagt habe, ist niemandem durch die Verbreitung von Atomwaffen gedient, am allerwenigsten der Türkei. Sie leben in einer schwierigen Region, und ein nukleares Wettrüsten würde der Sicherheit ihrer Nation nicht dienen. In diesem Teil der Welt hat es genug Gewalt gegeben. Es gab hier genug Hass. Er benötigt nicht noch einen Wettlauf hin zu einem immer mächtigeren Instrument der Zerstörung.
Ich habe den Bürgern und Politikern der Islamischen Republik Iran klar gesagt, dass die Vereinigten Staaten Beziehungen wünschen, die auf gemeinsamen Interessen und gegenseitigem Respekt gründen. Wir wollen, dass Iran seine rechtmäßige Rolle in der internationalen Staatengemeinschaft spielt. Iran hat eine reiche Kultur. Wir wollen, dass das Land sich der wirtschaftlichen und politischen Integration verpflichtet, die Wohlstand und Sicherheit bringt. Aber die iranischen Politiker müssen sich entscheiden, ob sie eine Waffe oder eine bessere Zukunft für ihre Bürger aufbauen wollen.
Sowohl die Türkei als auch die Vereinigten Staaten unterstützen einen sicheren und geeinten Irak, der Terroristen nicht als Brutstätte dient. Ich weiß, es gab unterschiedliche Meinungen zu diesem Krieg. Es gab auch in meinem Land Differenzen. Aber jetzt müssen wir zusammenarbeiten, um diesen Krieg verantwortungsbewusst zu beenden, weil die Zukunft des Irak untrennbar mit der Zukunft der ganzen Region verbunden ist. Wir ich bereits angekündigt habe, und wie viele von Ihnen wissen, werden die Vereinigten Staaten ihre Kampfbrigaden bis Ende nächsten August abziehen, und gleichzeitig mit den Irakern zusammenarbeiten, damit sie die Verantwortung für die Sicherheit übernehmen können. Wir werden mit dem Irak, mit der Türkei und allen Nachbarn des Irak zusammenarbeiten, um einen neuen Dialog zu führen, der Differenzen beilegt und unsere gemeinsame Sicherheit fördert.
Täuschen Sie sich jedoch nicht: Der Irak, die Türkei und die Vereinigten Staaten sind vom Terrorismus gleichermaßen bedroht. Dazu zählen die Terroristen der Al Kaida, die versucht haben, einen Keil zwischen die Iraker zu treiben und ihr Land zu zerstören. Dazu zählt die PKK. Es gibt keine Entschuldigung für Terror gegen eine Nation. Als Präsident und als NATO-Verbündeter sage ich Ihnen unsere Unterstützung gegen die Terroraktivitäten der PKK und jeder anderen Organisation zu. Die fortgesetzte Arbeit, die Zusammenarbeit zwischen der Türkei, der irakischen Regierung und den kurdischen Politikern im Irak zu fördern, sowie Ihre andauernden Bemühungen zur Förderung von Bildung, Chancen und Demokratie für die kurdische Bevölkerung, die hier in der Türkei lebt, stärkt diese Bestrebungen
Schließlich haben wir das gemeinsame Ziel, der Al Kaida einen Zufluchtsort in Pakistan oder Afghanistan zu verweigern. Die Welt hat zu viel erreicht, als dass diese Region wieder abgleiten dürfte, so dass die Terroristen der Al Kaida weitere Anschläge planen könnten. Deshalb haben wir uns gezielteren Maßnahmen verpflichtet, die Al Kaida zu behindern, zu zerschlagen und zu besiegen. Deshalb unternehmen wir mehr für die Ausbildung der Afghanen, damit sie ihre eigene Sicherheit gewährleisten und ehemalige Feinde miteinander aussöhnen können. Deshalb wollen wird die Menschen in Afghanistan und Pakistan stärker unterstützen, so dass wir nicht nur Sicherheit, sondern auch Chancen und die Versprechungen eines besseren Lebens begünstigen.
Die Türkei ist ein wahrer Partner. Ihre Truppen waren unter den ersten in der ISAF-Mission. Sie haben in diesem Unterfangen viele Opfer gebracht. Jetzt müssen wir unsere Ziele gemeinsam erreichen. Ich danke Ihnen, dass Sie uns angeboten haben, uns bei der Ausbildung und Unterstützung der afghanischen Sicherheitskräfte und der Verbreitung von Chancen in der Region zu helfen. Gemeinsam können wir diese Herausforderung meistern, wie wir es bereits so oft getan haben.
Ich weiß, es gab in den vergangenen Jahren Schwierigkeiten. Ich weiß, dass das Vertrauen zwischen den Vereinigten Staaten und der Türkei Spannungen ausgesetzt war, und ich weiß, dass es diese Spannungen an vielen Orten gibt, an denen der muslimische Glauben praktiziert wird. Ich möchte es so deutlich wie möglich sagen: Die Vereinigten Staaten befinden sich nicht im Krieg mit dem Islam und werden das auch niemals sein. Unsere Partnerschaft mit der muslimischen Welt ist tatsächlich nicht nur für unser Vorgehen gegen die gewalttätigen Ideologien ausschlaggebend, die Menschen aller Glaubensrichtungen ablehnen, sondern auch für die Stärkung der Chancen für alle türkischen Bürger.
Ich möchte auch klar sagen, dass die Beziehungen der Vereinigten Staaten zur muslimischen Glaubensgemeinschaft, der muslimischen Welt, nicht ausschließlich auf Widerstand gegen den Terrorismus beruhen können und das auch nicht tun werden. Wir wollen ein breiter gefasstes Engagement, basierend auf gemeinsamen Interessen und gegenseitigem Respekt. Wir werden genau zuhören, wir werden Missverständnisse ausräumen und nach Gemeinsamkeiten suchen. Wir werden respektvoll miteinander umgehen, selbst wenn wir nicht der gleichen Meinung sind. Wir werden unserer tiefen Wertschätzung für den islamischen Glauben Ausdruck verleihen, der im Lauf der Jahrhunderte die Welt so stark geprägt hat - auch mein Land. Muslimische Amerikaner waren und sind eine Bereicherung für die Vereinigten Staaten. Viele Amerikaner haben Muslime in ihrer Familie oder haben in einem mehrheitlich muslimischen Land gelebt ich weiß das, weil ich einer von ihnen bin.
Vor allem werden wir durch Taten unser Bekenntnis zu einer besseren Zukunft unter Beweis stellen. Ich möchte mehr Kindern helfen, die Bildung zu bekommen, die sie benötigen, um im Leben erfolgreich zu sein. Wir wollen Gesundheitsfürsorge an Orten fördern, an denen die Menschen ungeschützt sind. Wir wollen den Handel und die Investitionen ausweiten, die allen Menschen Wohlstand bringen. In den kommenden Monaten werde ich spezielle Programme zur Förderung dieser Ziele vorstellen. Wir werden uns dabei auf das konzentrieren, was wir gemeinsam mit den Menschen in der muslimischen Welt tun können, um unsere gemeinsamen Hoffnungen und unsere gemeinsamen Träume zu verwirklichen. Und wenn die Menschen auf diese Zeit zurückblicken, soll man von den Vereinigten Staaten sagen können, dass wir allen Menschen die Hand der Freundschaft angeboten haben.
Es gibt ein altes türkisches Sprichwort: Feuer kann man nicht mit Flammen löschen." Die Vereinigten Staaten wissen das. Die Türkei weiß das. Einigen muss man mit Gewalt begegnen, sie gehen keine Kompromisse ein. Aber Gewalt allein kann unsere Probleme nicht lösen, und sie ist keine Alternative zu Extremismus. Die Zukunft muss denen gehören, die schaffen, nicht denen, die zerstören. Das ist die Zukunft, auf die wir hinarbeiten müssen, und wir müssen das gemeinsam tun.
Ich weiß, es gibt jene, die gerne über die Zukunft der Türkei diskutieren. Sie sehen ihr Land an einer Stelle, an der Kontinente zusammentreffen, im Einflussbereich der Strömungen der Geschichte. Sie wissen, dass dies ein Ort ist, an dem Kulturen aufeinandertreffen und verschiedene Völker zusammenkommen. Sie fragen sich, ob Sie in die eine oder die andere Richtung gezogen werden.
Aber ich denke, Folgendes verstehen sie nicht: Die Größe der Türkei liegt in Ihrer Fähigkeit, im Zentrum der Geschehnisse zu sein. Die Türkei ist nicht der Ort, durch den die Trennlinie zwischen Ost und West verläuft - hier treffen Ost und West zusammen. In der Schönheit Ihrer Kultur. Im Reichtum Ihrer Geschichte. In der Stärke Ihrer Demokratie. In Ihren Hoffnungen für morgen.
Ich fühle mich geehrt, heute bei Ihnen zu sein - auf die Zukunft zu blicken, nach der wir gemeinsam greifen müssen und das amerikanische Bekenntnis zu unserer starken und dauerhaften Freundschaft zu bekräftigen. Vielen herzlichen Dank. Vielen Dank. Vielen Dank.
Originaltext: Remarks by President Obama to the Turkish Parliament
siehe: http://www.whitehouse.gov/the_press_office/Remarks-By-President-Obama-To-The-Turkish-Parliament/