• US-WAHLEN (05. August 2008)
Häufig gestellte Fragen zu den Parteitagen
Parteiversammlungen haben sich im Verlauf von einem Jahrhundert entwickelt

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir eine Übersicht über häufig gestellte Fragen zu den Parteitagen vom 4. August 2008.

Warum werden nationale Parteitage abgehalten?

Die Abläufe der nationalen Parteiversammlungen haben sich über einen Zeitraum von mehr als einem Jahrhundert entwickelt, aber ihr Zweck ist derselbe geblieben - die Nominierung von Präsidentschaftskandidaten und die Formulierung von Zielen und Prioritäten für die Partei.

Der erste Parteitag wurde 1831 abgehalten, als die Anti-Mason-Partei in einem Saloon in Baltimore zusammenkam, um Kandidaten zu wählen und ein Parteiprogramm für den Wahlkampf zu beschließen. Im nächsten Jahr trafen sich die Demokraten im selben Saloon, um ihre Nominierten auszuwählen. Seit damals haben die großen und die meisten kleineren Parteien nationale Nominierungstreffen abgehalten, an denen die Delegierten eines Bundesstaates teilnahmen, um ihre Kandidaten für das Amt des Präsidenten und des Vizepräsidenten zu bestimmen und sich über politische Standpunkte zu einigen.

Während des 19. Jahrhunderts und des Großteils des 20. Jahrhunderts unterlagen die nationalen Parteiversammlungen der Kontrolle der Parteiführung der Bundesstaaten, obwohl sie von vielen Parteianhängern besucht wurden. Diese politischen "Bosse" nutzten ihren Einfluss, um die Parteitagsdelegierten ihres Staates per Hand zu verlesen, die dann ihren Präsidentschaftskandidaten wählen würden. Gegner dieses Systems forderten Reformen, um es normalen Wählern zu ermöglichen, die Parteitagsdelegierten auszuwählen. So kam es zur Einführung der Vorwahlen (primary elections). 1916 hielten mehr als die Hälfte der Bundesstaaten Vorwahlen zur Präsidentschaftswahl ab. Das System der Vorwahlen verlor während des Ersten Weltkriegs an Bedeutung, wurde nach dem Zweiten Weltkrieg aber wieder beliebter.

Die ersten Parteiversammlungen waren bunt, es wurde gestritten, und es gab viele lange Reden und Debatten, aber ein Großteil der Arbeit wurde auch von der Parteiführung und den wichtigsten Unterstützern in privaten Treffen geleistet, die als "rauchige Hinterzimmer" bekannt wurden - was schließlich zu einem politischen Klischee der US-Politik wurde.

Da die Vorwahlen und Parteiversammlungen (caucuses) jetzt bestimmen, wen die Delegierten wählen, ist der Präsidentschaftskandidat normalerweise schon Monate vor dem nationalen Parteitag bekannt. Die Nominierungswahl beim Parteitag ist eine Formalität, aber weiterhin eine wichtige. Sie dient als offizielle Einführung des Kandidaten einer Partei, ist ein Beleg für die Geschlossenheit der Partei und stellt den Auftakt des allgemeinen Wahlkampfes dar.

Ursprünglich besuchten die Präsidentschaftskandidaten die Parteitage nicht, bis Franklin D. Roosevelt im Jahr 1932 mit dieser Tradition brach. Auf den heutigen Parteitagen gilt die Rede des Kandidaten als Höhepunkt der Veranstaltung.

Wann und wo finden die Parteitage 2008 statt?

Die Demokraten treffen sich vom 25. bis 28. August in Denver. Die Republikaner treffen sich vom 1. bis 4. September in den Zwillingsstädten von Minnesota, Minneapolis und St. Paul. Erwartungsgemäß werden mehr als 45.000 Personen - darunter Parteimitglieder, Delegierte, Journalisten, Sicherheitskräfte und andere Dienstleister - in die jeweiligen Städte reisen und ihnen Millionen Dollar an Einnahmen bescheren.

Was ist der typische Ablauf einer Parteiversammlung?

Der genaue Ablauf ist jedes Jahr und von Partei zu Partei anders. Die Beteiligung des Fernsehens hat viele Parteitagstraditionen verändert - die Parteien legen heute ihre wichtigsten Events und bekanntesten Redner in die Primetime (von 20 bis 23 Uhr Ostküstensommerzeit).

Die ganze Woche über halten führende Parteimitglieder und Delegierte hinter den Kulissen informelle Treffen oder offizielle Ausschusssitzungen ab. Die formelleren Parteitagsaktivitäten werden manchmal erst im letzten Moment endgültig beschlossen, aber das zu erwartende Programm lässt sich grob umreißen:

1. Tag: Der Parteitag wird vom Parteivorsitzenden zur Ordnung gerufen und bedeutende lokale Parteimitglieder halten Begrüßungsreden. Die Satzungsausschüsse treffen sich, um verfahrensrechtliche Fragen wie die Akkreditierung der Delegierten abschließend zu klären. Wichtige Parteimitglieder wie der amtierende Präsident oder aufstrebende Persönlichkeiten innerhalb der Partei halten am Abend Reden. Eine der aufstrebenden Persönlichkeiten, die 2004 auf der Nationalversammlung der Demokraten sprachen, war Senatsanwärter Barack Obama.

2. Tag: Die routinemäßige Arbeit der Ausschüsse wird fortgesetzt. Die führenden Parteimitglieder treffen sich, um das Programm der Partei, eine Erklärung über die politische Philosophie und die Ziele für die nächsten vier Jahre fertigzustellen. Die Parteiprogramme werden normalerweise schon vor dem Parteitag von einem Ausschuss erarbeitet, aber dieser Entwurf wird dann während des Parteitags erörtert und überarbeitet. 2008 bitten die Republikaner ihre Parteimitglieder, ihre Standpunkte online mitzuteilen. Am Abend folgen weitere Reden.

3. Tag: Manchmal werden die Programmdebatten auch noch an diesem Tag fortgeführt, aber das wichtigste Ereignis ist die offizielle Ernennung des Präsidentschaftskandidaten. Ein Parteimitglied stellt den Nominierungsantrag. Ein anderes Mitglied schließt sich dem Antrag an. Dann beginnt die Wahl und alle Delegationen der Bundesstaaten werden aufgerufen, ihre Stimmen abzugeben. Da die Stimmen der meisten Delegierten je nach Ergebnis der Vorwahlen oder Caucuses an einen bestimmten Kandidaten gebunden (oder fest zugesagt) sind, ist das Ergebnis der Abstimmung selten überraschend. In den vergangenen Jahren hielt am Abend auch der Wunschkandidat des Präsidentschaftskandidaten für das Amt des Vizepräsidenten eine Rede.

4. Tag: Der Kandidat für das Amt des Vizepräsidenten wird offiziell nominiert. Am Abend finden die Aktivitäten der vergangenen vier Tage ihren Höhepunkt in der Dankesrede des Präsidentschaftskandidaten. Zum ersten Mal seit 1960 hat sich ein Präsidentschaftsbewerber dafür entschieden, seine Dankesrede nicht auf dem Parteitag zu halten. Barack Obama plant stattdessen, in einem nahe gelegenen Football-Stadium in Denver zu sprechen, das eine viel größere Anzahl von Zuhörern fasst als der Saal auf dem Parteitag.

Gibt es bei den Parteitagen 2008 irgendetwas Neues?

Beide Parteien haben zahlreiche Maßnahmen ergriffen, um diese Parteitage zu den umweltfreundlichsten Parteitreffen zu machen, die es jemals gab.

Es wird auch mehr Blogger geben, die über die Parteitage berichten, als jemals zuvor, und eine Rekordzahl von Medienorganisationen planen Webcasts von den Parteitagen. Zum ersten Mal wird der Parteitag der Demokraten live auf Spanisch übertragen.

America.gov wird ebenfalls von beiden Parteiversammlungen berichten.
Originaltext: Frequently Asked Questions on Political Conventions
Siehe: http://www.america.gov/st/elections08-english/2008/August/20080804174936hmnietsua0.5952417.html?CP.rss=true