• USA-EUROPA (22. Mai 2007)
Marshallplan brachte Europa auf den Weg der Einheit
Es muss unter den europäischen Ländern eine Form der Einigung geben...

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir einen Artikel zum Marshallplan, herausgegeben vom Büro für internationale Informationsprogramme am 22. Mai 2007.

Der vor 60 Jahren ausgerufene Marshallplan brachte Europa auf den Weg einer Zusammenarbeit, die letztendlich zur Gründung der NATO und der Europäischen Union führte, allerdings auf Kosten einer Verschärfung der Situation des Eisernen Vorhangs und des Kalten Krieges.

Bevor die Vereinigten Staaten Hilfe leisten, "müssen sich die europäischen Länder darüber einigen", wie das Geld ausgegeben werden soll, erklärte Außenminister George C. Marshall in seiner historischen Rede vom 5. Juni 1947. Er hielt die Einzelheiten vage und wartete ab, was als nächstes geschehen würde.

In London hörte der britische Außenminister Ernest Bevin die Rede im BBC und handelte sofort. Er kontaktierte den ähnlich gesinnten französischen Außenminister Georges Bidault um zu besprechen, wie man eine europäische Wirtschaftskonferenz organisieren und führen könne. "Ich habe mir gleich gesagt ... 'Es ist an uns, ihnen zu sagen, was wir wollen'", sagte Bevin später im House of Commons. "'Es ist an uns, einen Plan aufzustellen.'"

Marshalls Hilfsangebot wurde nicht in einem politischen Vakuum gemacht. Neun Monate zuvor, im September 1946, hielt der Vorgänger Marshalls, Außenminister James Byrnes, in Stuttgart die "Rede der Hoffnung". Byrnes versprach, dass die Vereinigten Staaten das besiegte Deutschland beim Wiederaufbau und der Reintegration in die europäische Wirtschaft unterstützen würden. Er versprach außerdem eine langfristige Stationierung von US-Truppen als Reaktion auf die große sowjetische Präsenz in der sowjetischen Besatzungszone.

Weniger als zwei Wochen später, am 19. September 1946, sprach der britische Staatsmann Winston Churchill in Zürich von der "Wiedererschaffung der europäischen Familie" in einem politisch geeinten Europa. Das US-Außenministerium sah die europäische Integration auch als Möglichkeit zur Förderung der wirtschaftlichen Unabhängigkeit bei gleichzeitiger Reduzierung der Sicherheitsbedrohung, da die einzelnen Länder abhängiger voneinander wurden.

DIE ANTWORT EUROPAS AUF DEN VORSCHLAG VON MARSHALL

Ursprünglich schloss der Plan von Marshall die Sowjetunion und die Länder Mitteleuropas, die unter sowjetischer Besatzung standen, mit ein. Ende Juni 1947 traf sich Außenminister Wjatschaslaw Molotow mit Bevin und Bidault in Paris, um über das Angebot des Marshallplans zu sprechen. Die sowjetischen Ziele konzentrierten sich offensichtlich auf Programme für die einzelnen Länder und nicht auf europaweite Zusammenarbeit, und die Sowjets bestanden darauf, dass Deutschland weiterhin Reparationszahlungen zur Unterstützung der vom Krieg zerstörten sowjetischen Wirtschaft leistete. Als klar wurde, dass Großbritannien und Frankreich diese Ziele nicht unterstützen würden, zog Molotow sich am 2. Juli von den Verhandlungen zurück.

Zehn Tage später trafen sich 16 westeuropäische Länder in Paris zur Teilnahme am ersten Treffen des neu gegründeten Ausschusses für wirtschaftliche Zusammenarbeit in Europa (Committee of European Economic Cooperation - CEEC). Die Sowjetunion hatte ein starkes Interesse daran, sich die osteuropäischen Staaten als Schutzzone zu erhalten, und verweigerte der Tschechoslowakei, Polen und anderen die Teilnahme.

"Generationenlang", sagte Bidault den Delegierten des Treffens, "haben Menschen aller Länder, die einen eigennützigen Nationalismus ablehnten, diese heute hier stattfindende Versammlung herbeigesehnt. Wir sollten stolze Zeugen und gute Handwerker für eine Aufgabe sein, von der man Jahrhunderte geträumt hat und die gegenwärtig dringend notwendig ist."

Die CEEC entwickelten in sechs Wochen eine detaillierte Liste von Wirtschaftsprojekten. Vertreter der Vereinigten Staaten lehnten die Vorschläge ab, da es ihres Erachtens "16 separate Einkaufslisten" und kein kohärenter Plan waren. Einige Wochen später legte der CEEC den Vereinigten Staaten einen überarbeiteten Bericht vor, der den amerikanischen Anforderungen entsprach. In der Einleitung wurde der Bericht zu einer neuen Phase in der wirtschaftlichen Zusammenarbeit in Europa erklärt. Für eine Zeit, in der Produktionskapazitäten oft als Staatsgeheimnis betrachtet wurden, enthielt der Bericht äußerst detaillierte Bewertungen der europäischen Wirtschaft. Diese Bedingung der finanziellen Transparenz war einer der Gründe für den Rückzug der Sowjetunion aus den Verhandlungen.

Als Reaktion auf den CEEC organisierte die Sowjetunion im September 1947 das Kommunistische Informationsbüro (Kominform) zur Koordinierung der Wirtschaftspolitik in Osteuropa, während sie versuchte, die Unterstützung des Marshallplans im Westen zu untergraben. Historiker sehen diese sowjetische Strategie als grobe Fehleinschätzung. Die Beteiligung der Sowjetunion hätte mit ziemlicher Sicherheit dazu geführt, dass der US-Kongress die Gelder aus dem Marshallplanfonds zurückgehalten hätte.

Stattdessen löste die an den Marshallplan geknüpfte Bedingung der wirtschaftlichen Zusammenarbeit eine Reihe von Ereignissen und politischen Entscheidungen aus, aus denen die modernen Institutionen der europäischen Stabilität und Zusammenarbeit hervorgingen.

Im März 1948 unterzeichneten Großbritannien, Frankreich und die Beneluxstaaten (Belgien, die Niederlande und Luxemburg) einen Vertrag zur Gründung eines Militärpakts zur kollektiven Verteidigung sowie zur Förderung der kulturellen und wirtschaftlichen Integration. Sie strebten allerdings eine größere Mitwirkung der Vereinigten Staaten an, und die Verhandlungen führten im April 1949 zur Gründung der NATO, die auch heute noch die Verteidigung ihrer Mitgliedstaaten integriert.

Im Mai 1950 schlug der ehemalige Ministerpräsident Frankreichs, Robert Schuman, die gemeinsame Verwaltung der französischen und deutschen Kohle- und Stahlwirtschaft vor. Der "Schumanplan" führt 1951 zur Gründung der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl durch Westdeutschland, Frankreich, Italien und die Beneluxstaaten. Dies führte 1957 zu den Römischen Verträgen, die die erste vollständige Zollunion Europas begründeten - die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft - die als Gründungsorganisation der modernen Europäischen Union (EU) gilt.

Am 60. Jahrestag der Rede von Marshall umfasste die EU 27 Nationen und 500 Millionen Menschen, deren gemeinsames Bruttoinlandsprodukt von 14 Billionen Dollar das der Vereinigten Staaten übersteigt.

Weitere Informationen finden Sie auch in dem Text "Marshallplan für den Wiederaufbau Europas hallt noch nach 60 Jahren nach.

Originaltext: Marshall Plan Placed Europe on Path Toward Unity
“There must be some agreement among the countries of Europe …”
siehe: http://usinfo.state.gov/xarchives/display.html?p=washfile-english&y=2007&m=May&x=20070522162259MVyelwarC0.7400019