• US-POLITIK (26. April 2006)
Eine Republik der Wissenschaft
Fragestellung und Innovation in Wissenschaft und Medizin

WASHINGTON – (AD) – Nachfolgend veröffentlichen wir das Kapitel "Eine Republik der Wissenschaft" aus der Broschüre Portrait of the USA, die vom Büro für internationale Informationsprogramme des US-Außenministeriums herausgegeben wurde.

Die Vereinigten Staaten entstanden während des Zeitalters der Aufklärung (circa 1680 bis 1800), einer Zeit, in der sich Schriftsteller und Denker vom Aberglauben der Vergangenheit abwandten. Stattdessen betonten sie die Macht der Logik und der unparteiischen Fragestellung, insbesondere die Erforschung der Natur. Philosophen der Aufklärung hegten die Vision einer "Republik der Wissenschaft", in der Ideen frei ausgetauscht und nützliches Wissen das Leben aller Bürger verbessern würde.

Seit ihrer Gründung als unabhängige Nation förderten die Vereinigten Staaten Wissenschaft und Erfindungen. Dies geschah durch die Förderung der freien Entfaltung der Ideen sowie der Zunahme "nützlichen Wissens" und indem man kreative Menschen aus der ganzen Welt willkommen hieß.

Selbst die Verfassung der Vereinigten Staaten spiegelt den Wunsch nach Förderung wissenschaftlicher Kreativität wider. Sie erteilt dem Kongress die Befugnis "Fortschritte in der Wissenschaft und der Anwendung der Wissenschaften zu fördern, indem Autoren und Erfindern für einen begrenzten Zeitraum Exklusivrechte an ihren Werken und Entdeckungen zugesprochen werden". Diese Klausel bildete die Basis für die amerikanischen Patent- und Urheberrechte, die gewährleisten, dass Erfindungen und andere kreative Arbeiten nicht kopiert oder ohne Entschädigung des Urhebers verwendet werden können.

EIN GUTES KLIMA FÜR DIE WISSENSCHAFT

In den ersten Jahrzehnten ihrer Geschichte waren die Vereinigten Staaten relativ isoliert von Europa und auch relativ arm. Dessen ungeachtet waren sie ein guter Standort für die Wissenschaft. Die amerikanische Wissenschaft stand in engem Zusammenhang mit den Bedürfnissen der Menschen und war frei von den vorgefassten Meinungen Europas.

Zwei der Gründerväter der Vereinigten Staaten waren renommierte Wissenschaftler. Benjamin Franklin unternahm eine Reihe von Experimenten, die das Wissen der Menschen über Elektrizität erweiterte. Unter anderem bewies er etwas, das man zwar geahnt hatte, aber noch nicht hatte nachweisen können: dass ein Blitz eine Form von Elektrizität ist. Franklin erfand auch praktische Dinge wie bifokale Brillen und einen Ofen, der seinen Namen trägt. (Der Franklin-Ofen passt in einen Kamin und strahlt Wärme in den Raum aus.)

Thomas Jefferson war Student der Landwirtschaft und führte verschiedene Reissorten, Olivenbäume und Gräser in die Neue Welt ein. Er betonte die wissenschaftlichen Aspekte der Expedition von Lewis und Clark (1804-06) in den Nordwesten des Landes an die Pazifikküste. Eines der Vermächtnisse der Expedition waren detaillierte systematische Informationen über die Pflanzen und Tiere der Region.

Wie Franklin und Jefferson waren die meisten amerikanischen Wissenschaftler Ende des 18. Jahrhunderts daran beteiligt, die Unabhängigkeit Amerikas und die Bildung einer neuen Nation zu erreichen. Zu diesen Wissenschaftlern zählten der Astronom David Rittenhouse, der Mediziner Benjamin Rush und der Naturhistoriker Charles Willson Peale.

Während des amerikanischen Unabhängigkeitskriegs war Rittenhouse an der Gestaltung der Verteidigunsanlagen von Philadelphia beteiligt. Er baute Teleskope und Navigationsinstrumente für das US-Militär. Nach dem Krieg entwarf Rittenhouse Straßen- und Kanalsysteme für den Bundesstaat Philadelphia. Später wandte er sich wieder dem Studium der Sterne und Planeten zu und erwarb sich einen weltweiten Ruf auf diesem Gebiet.

Als Generalstabsarzt rettete Benjamin Rush im Unabhängigkeitskrieg unzählige Leben von Soldaten, indem er Hygiene- und Gesundheitspraktiken förderte. Durch die Einführung neuer medizinischer Behandlungsmethoden machte er das Pennsylvania Hospital in Philadelphia zu einem Beispiel für die medizinische Aufklärung. Nach seinem Militärdienst richtete Rush die erste freie Klinik in den Vereinigten Staaten ein.

Charles Willson Peale ist am besten als Künstler in Erinnerung, aber er war auch Naturhistoriker, Erfinder, Pädagoge und Politiker. Er gründete das erste große Museum der Vereinigten Staaten, das Peale Museum in Philadelphia, in der die einzige Sammlung nordamerikanischer naturgeschichtlicher Exponate untergebracht war. Peale grub die Knochen eines Mastodons bei West Point (New York) aus, verbrachte drei Monate damit, das Skelett zusammenzufügen und stellte es dann in seinem Museum aus. Mit dem Peale Museum begann die amerikanische Tradition, Naturwissenschaften interessant darzustellen und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Die Begeisterung führender amerikanischer Politiker für Wissenserwerb trug auch dazu bei, dass Wissenschaftler aus anderen Ländern herzlich willkommen geheißen wurden. Ein bemerkenswerter früher Einwanderer war der britische Chemiker Joseph Priestley, der sein Heimatland aufgrund seiner abweichenden politischen Meinung verlassen musste. Priestley, der 1794 in die Vereinigten Staaten kam, war der erste von tausenden talentierten Wissenschaftlern, die auf der Suche nach einer freien, kreativen Umgebung emigrierten. Andere kamen erst in jüngerer Zeit; zu ihnen zählt der deutsche Physiktheoretiker Albert Einstein, der 1933 eintraf, Enrico Fermi, der 1938 aus Italien einwanderte und dem die weltweit erste kontrollierte nukleare Kettenreaktion gelang, sowie Wladimir K. Zworykin, der Russland 1919 verließ und später die Fernsehkamera erfand.

Andere Wissenschaftler kamen in die Vereinigten Staaten, um an dem raschen Wachstum des Landes teilzuhaben. Alexander Graham Bell, der 1872 über Kanada aus Schottland einreiste, entwickelte und patentierte das Telefon und damit in Zusammenhang stehende Erfindungen. Charles P. Steinmetz, der 1889 aus Deutschland kam, entwickelte bei der General Electric Company neue Wechselstromsysteme. Später wanderten weitere Wissenschaftler ein, angezogen von den hochmodernen amerikanischen Forschungseinrichtungen. In den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts konnten in den Vereinigten Staaten arbeitende Wissenschaftler mit beachtlicher materieller wie auch intellektueller Entlohnung rechnen.


AMERIKANISCHES KNOW-HOW

Während des 19. Jahrhunderts waren Großbritannien, Frankreich und Deutschland führend, was neue wissenschaftliche und mathematische Ideen anbetraf. Die Vereinigten Staaten lagen zwar vielleicht bei der Formulierung neuer Theorien zurück, sie leisteten jedoch Außergewöhnliches bei der Anwendung von Theorien zur Problemlösung: angewandte Naturwissenschaft. Diese Tradition war aus Notwendigkeit entstanden. Weil die Amerikaner so weit entfernt von den Quellen der westlichen Wissenschaften und des produzierenden Gewerbes entfernt lebten, mussten sie oft eigene Weg finden, Dinge zu tun. Als die Amerikaner theoretisches Wissen mit dem "Einfallsreichtum der Yankees" kombinierten, war das Ergebnis eine Reihe von wichtigen Erfindungen. Zu den großen amerikanischen Erfindern zählen Robert Fulton (das Dampfschiff), Samuel F.B. Morse (der Telegraf), Eli Whitney (die Entkörnungsmaschine für Baumwolle), Cyrus McCormick (die Mähmaschine) und Thomas Alva Edison, mit mehr als tausend Erfindungen der erfindungsreichste von allen.

Edison war nicht immer der erste, der eine wissenschaftliche Anwendung ersann, aber er war oft derjenige, der eine Idee ihrer praktischen Vollendung zuführte. Der britische Ingenieur Joseph Swan baute fast 20 Jahre vor Edison eine elektrische Glühlampe. Aber die von Edison war besser. Die Glühbirnen von Edison hielten viel länger als die von Swan und konnten einzeln an- und ausgeschaltet werden, während die Birnen von Swan nur innerhalb eines Systems funktionierten, in dem mehrere Glühbirnen gleichzeitig an- oder ausgeschaltet wurden. Nach seiner Verbesserung der Glühbirne entwickelte Edison Systeme zur Stromerzeugung. Innerhalb von 30 Jahren erhielten durch seine Erfindungen Millionen von Haushalten elektrisches Licht.

Eine weitere bahnbrechende praktische Anwendung wissenschaftlicher Ideen gelang den Brüdern Wilbur und Orville Wright. In den Neunzigerjahren des 19. Jahrhunderts begann ihre Faszination für Berichte über deutsche Experimente mit Segelflugzeugen, und sie begannen, die Flugprinzipien selbst zu untersuchen. Die Brüder Wright kombinierten wissenschaftliche Erkenntnisse mit mechanischen Fertigkeiten, und sie bauten und flogen mehrere Segelflugzeuge. Dann, am 17. Dezember 1903, flogen sie erstmals erfolgreich ein mechanisch angetriebenes Flugzeug, das schwerer war als Luft.

Eine amerikanische Erfindung, die 1947 fast unbemerkt gemacht wurde, leitete ein neues Zeitalter des Informationsaustauschs ein. In diesem Jahr zogen John Bardeen, William Shockley und Walter Brattain von Bell Laboratories hochentwickelte Prinzipien der theoretischen Physik zur Erfindung des Transistors heran, einem kleineren Ersatz für die sperrige Vakuumröhre. Dies und eine zehn Jahre später gemachte Erfindung, der integrierte Schaltkreis, machten die Verpackung enormer Mengen von elektronischer Schalttechnik in kleine Gehäuse möglich. Folglich können heute Computer von der Größe eines Buches mehr leisten als die zimmergroßen Rechner der Sechzigerjahre, was eine Revolution der Lebensweise der Menschen nach sich zog – der Art und Weise, wie sie arbeiten, lernen, Geschäfte tätigen und Recherchen anstellen.

In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurden amerikanische Wissenschaftler für mehr als ihre praktischen Erfindungen und Anwendungen bekannt. Auf einmal wurden sie aufgrund ihrer Beiträge zur "reinen" Wissenschaft anerkannt, der Formulierung von Konzepten und Theorien. Diese sich verändernde Konstellation wird deutlich, wenn man sich die Gewinner der Nobelpreise für Physik und Chemie ansieht. In der ersten Hälfte des Jahrhunderts – von 1901 bis 1950 – waren die amerikanischen Nobelpreisträger in den naturwissenschaftlichen Kategorien eindeutig in der Minderheit. Seit 1950 haben die Amerikaner etwa die Hälfte aller Nobelpreise in den Naturwissenschaften gewonnen.


DAS ATOMZEITALTER

Eine der spektakulärsten – und kontroversesten – Errungenschaften amerikanischer Technologie war die Nutzbarmachung von Atomenergie. Die Konzepte, die zur Spaltung des Atoms führten, wurden von Wissenschaftlern in vielen Ländern entwickelt, aber die Umsetzung der Ideen in die Realität der Kernspaltung war die Leistung von amerikanischen Wissenschaftlern Anfang der Vierzigerjahre.

Nachdem ein deutscher Physiker 1938 den Nukleus eines Uranatoms spaltete, schlossen Albert Einstein, Enrico Fermi und Leo Szilard, dass eine atomare Kettenreaktion durchführbar ist. In einem Brief an Präsident Franklin Roosevelt warnte Einstein, dass dieser Durchbruch die Herstellung "extrem zerstörerischer Bomben" ermögliche. Seine Warnung war die Anregung für das Manhattan Project, der Versuch der Vereinigten Staaten, als erste eine Atombombe zu bauen. Das Projekt trug Früchte, als die erste derartige Bombe am 16. Juli 1945 in Neu Mexiko gezündet wurde.

Die Entwicklung der Bombe und ihr Einsatz gegen Japan im August 1945 läutete das Atomzeitalter ein, eine Zeit der Angst vor Massenvernichtungswaffen, die bis in den Kalten Krieg und die Nichtverbreitungsbemühungen der heutigen Tage anhielt. Aber das Atomzeitalter war auch geprägt von der friedlichen Nutzung der Atomenergie, wie in Atomkraftwerken und der Nuklearmedizin.

Das erste kommerzielle amerikanische Atomkraftwerk nahm seinen Betrieb 1956 in Illinois auf. Damals sah die Zukunft der Atomenergie in den Vereinigten Staaten rosig aus. Aber deren Gegner kritisierten die Sicherheit der Kraftwerke und stellten infrage, ob die sichere Entsorgung von Atommüll gewährleistet werden kann. Viele Amerikaner wandten sich aufgrund eines Unfalls 1979 auf Three Mile Island in Pennsylvania gegen die Atomkraft. Die Kosten für den Bau von Atomkraftwerken gingen in die Höhe und andere, ökonomischere Energiequellen erschienen attraktiver. In den Siebziger- und Achtzigerjahren wurden die Pläne für einige Atomkraftwerke gestrichen, und die Zukunft der Kernkraft in den Vereinigten Staaten ist nach wie vor ungewiss.

Inzwischen haben amerikanische Wissenschaftler mit anderen erneuerbaren Energieträgern experimentiert, einschließlich Solarenergie. Die Energiegewinnung über Solarkraft ist in weiten Teilen der Vereinigten Staaten zwar noch immer nicht wirtschaftlich, aber zwei Entwicklungen der jüngeren Zeit machen sie womöglich erschwinglicher.

1994 hielt der stellvertretende Unternehmensleiter von United Solar System in Troy (Michigan) einen Vortrag über die Vorteile der Solarenergie und zeigte ein Bild von Solarzellen auf dem Dach eines Hauses. Ein Architekt im Publikum merkte an: "Aber das ist ja so hässlich. Wer will denn das auf seinem Haus?" Diese Anmerkung brachte Guha dazu, darüber nachzudenken, wie man die Photovoltaik so gestalten könnte, dass sie mehr aussah wie ein Dach, statt die Solarzellen auf Rahmen zu montieren, die in den Himmel ragen.

Zwei Jahre später kam Guhas Innovation vom Fließband – Solardachschindeln, die direkt auf das Dach genagelt werden können. Die Schindeln wurden aus Edelstahlblech gemacht, beschichtet mit neun Lagen Silizium, einer Halbleiterschicht und einer schützenden Kunststoffschicht. Dachdecker montieren die Schindeln wie normale Dachziegel, nur müssen sie von jeder Schindel aus ein Loch für die elektrischen Leitungen in das Dach bohren. Im Durchschnitt sollte mit Solarschindeln auf einem Drittel eines Häuserdachs bei Sonnenschein ausreichend Strom produziert werden, um den Bedarf an Elektrizität abzudecken. Guha ist davon überzeugt, dass seine Schindeln in einigen Teilen der Vereinigten Staaten wirtschaftlich und in Japan sogar noch vielversprechender sein werden, da dort die Energiepreise hoch sind und Solarenergie staatlich gefördert wird.

Eine weitere Erfindung im Bereich Solarenergie war 1996 ausgereift, als das Solar-Two-Kraftwerk in der Mojave Wüste seinen Betrieb aufnahm und seitdem genügend Strom für 10.000 Haushalte liefert. Auf 38 Hektar sind fast 2.000 riesige Spiegel auf einen 90 Meter hohen Solarturm ausgerichtet, in dem Salz erhitzt wird; das geschmolzene Salz fließt in einen Dampfgenerator, der eine Turbine antreibt. Die Salzschmelze speichert Wärmeenergie effektiver als Wasser, und Verfechter von Solar Two glauben, dass diese Innovation große, kommerzielle Kraftwerke in Gebieten mit viel Sonne und hohen Energiekosten wirtschaftlich machen kann.


DAS WELTRAUMZEITALTER

Fast zeitgleich mit dem Atomzeitalter nahm das Weltraumzeitalter seinen Anfang. Der Amerikaner Robert H. Goddard war einer der ersten Wissenschaftler, die mit Raketenantriebssystemen experimentierten. In seinem kleinen Labor in Worcester (Massachusetts) arbeitete Goddard mit flüssigem Sauerstoff und Benzin an einem Raketenflug in die Atmosphäre. 1926 zündete er erfolgreich die erste Flüssigtreibstoffrakete der Welt; sie erreichte eine Höhe von 12,5 Metern. In den nächsten zehn Jahren erreichten Goddards Raketen bescheidene Höhen von fast zwei Kilometern und das Interesse an der Raumfahrt nahm in den Vereinigten Staaten, Großbritannien, Deutschland und der Sowjetunion zu.

Einwegraketen boten die Möglichkeit, künstliche Satelliten sowie bemannte Raumfahrzeuge zu starten. 1957 schickte die Sowjetunion den ersten Satelliten, Sputnik I, ins Weltall, und die Vereinigten Staaten folgten 1958 mit Explorer I. Die ersten bemannten Weltraumflüge fanden im Frühjahr 1961 statt, zunächst durch den sowjetischen Kosmonauten Juri Gagarin und dann durch den amerikanischen Astronauten Alan B. Shepard jr.

Von diesen ersten zögerlichen Schritten zur Mondlandung 1969 und der heutigen wiederverwendbaren Raumfähre zeigt das amerikanische Weltraumprogramm auf atemberaubende Weise die Möglichkeiten der angewandten Wissenschaft. Nachrichtensatelliten übertragen Computerdaten, Telefonanrufe, sowie Radio- und Fernsehsendungen. Wettersatelliten liefern die erforderlichen Daten für Frühwarnungen vor schweren Stürmen. Die Weltraumtechnologie hat tausende von Produkten für den täglichen Bedarf hervorgebracht – von leichtgewichtigen Materialien, die für Turnschuhe verwandt werden, bis zu Monitoren zur Atmungsüberwachung in Krankenhäusern.


MEDIZIN UND GESUNDHEITSFÜRSORGE

Wie in der Physik und der Chemie dominieren die Amerikaner seit dem Zweiten Weltkrieg auch bei den Nobelpreisen für Physiologie oder Medizin. Die National Institutes of Health (NIH), der zentrale Anlaufpunkt für biomedizinische Recherche in den Vereinigten Staaten, spielten bei dieser Errungenschaft eine Schlüsselrolle. Die NIH bestehen aus 24 einzelnen Instituten mit 75 Gebäuden auf mehr als 120 Hektar in Bethesda (Maryland). Ihr Budget betrug 1997 fast 13 Milliarden Dollar.

Ziel der NIH-Forschung ist das Erlangen von Wissen, das zur Vermeidung, Entdeckung, Diagnose und Behandlung von Krankheiten und Behinderungen beiträgt – von der seltensten genetischen Funktionsstörung bis zur einfachen Erkältung. Mit Zuschüssen der NIH werden zu einem gegebenen Zeitpunkt etwa 35.000 Forscher unterstützt, die in den US-Bundesstaaten oder im Ausland arbeiten. Unter den Empfängern dieser Zuwendungen waren auch 91 Nobelpreisträger. Fünf Nobelpreisträger haben ihre mit Preisen ausgezeichneten Entdeckungen in Labors der NIH gemacht.

Forschung der NIH hat zahlreiche medizinische Errungenschaften ermöglicht. Beispielsweise verringerte sich die Sterblichkeit durch Herzkrankheiten, der größte Todesfaktor in den Vereinigten Staaten, in der Zeit von 1971 bis 1991 um 41 Prozent. Die Sterblichkeitsrate bei Herzinfarkten sank im gleichen Zeitraum um 59 Prozent. Zwischen 1991 und 1995 fiel die Sterblichkeitsrate bei Krebs um fast drei Prozent, die erste dauerhafte Verringerung seit hierüber seit den Dreißigerjahren landesweit Buch geführt wird. Mehr als 70 Prozent aller Kinder, die heute an Krebs erkranken, werden geheilt.

Mithilfe der NIH haben Genetik- und Genomik-Forschung die Biomedizinwissenschaft revolutioniert. In den Achtziger- und Neunzigerjahren haben Forscher den ersten Versuch mit Gentherapie bei Menschen unternommen und sind jetzt in der Lage, viele Gene des menschlichen Genoms zu lokalisieren, zu identifizieren und ihre Funktion zu beschreiben. Wissenschaftler sagen voraus, dass diese neuen Erkenntnisse Gentests für die Anfälligkeit für Krankheiten wie Darmkrebs, Brustkrebs und andere Krebsformen hervorbringen sowie letztlich zur Entwicklung von medikamentösen Behandlungsformen für Menschen führen werden, die ein erblich bedingtes Risiko haben.

Die vielleicht aufregendste aktuelle wissenschaftliche Entwicklung in den Vereinigten Staaten ist das Projekt der NIH zum menschlichen Genom. Es handelt sich um einen Versuch, eine genetische Karte des Menschen zu konstruieren, indem die chemische Zusammensetzung jedes der 50.000 bis 100.000 Gene analysiert wird, die den menschlichen Körper ausmachen. Das Projekt wird voraussichtlich über 15 Jahre laufen und mindestens drei Milliarden Dollar kosten.

Von Universitäten, Krankenhäusern und Unternehmen durchgeführte Forschung trägt auch zur verbesserten Diagnose und Behandlung von Krankheiten bei. Die NIHs haben beispielsweise die Grundlagenforschung zur erworbenen Immunschwäche AIDS finanziert, aber viele der Arzneimittel, die zur Behandlung der Krankheit eingesetzt werden, wurden in Labors der amerikanischen Pharmaindustrie entwickelt; diese Medikamente werden in Forschungszentren im ganzen Land getestet.

Ein Medikament, dass sich in der Behandlung von AIDS als vielversprechend erwiesen hat, ist der Proteaseinhibitor. Nach mehrjährigen Laborversuchen wurden den Patienten in den Vereinigten Staaten 1994 erstmals Proteaseinhibitoren verabreicht. Einer der ersten Tests (an einer Gruppe von 20 Freiwilligen) zeigte, dass das Medikament die Anzahl der Viren im Blut der Patienten nicht nur fast auf Null senkte, sondern auch, dass ihr Immunsystem sich weitaus schneller erholte, als man es für möglich gehalten hätte.

Ärzte wenden Proteaseinhibitoren mit anderen Arzneimitteln als "Kombinationstherapie" an. Die Ergebnisse sind zwar sehr vielversprechend, aber die Kombinationstherapie ist keine Heilung und funktioniert bisher nur im Blut, sie reicht nicht in andere Teile des Köpers – das Gehirn, die Lymphknoten, die Rückenmarksflüssigkeit und die Hoden – in denen sich das Virus versteckt. Wissenschaftler führen ihre Experimente mit der Kombinationstherapie und anderen Behandlungsmöglichkeiten fort, während sie nach der ultimativen Lösung suchen – einem Impfstoff gegen die Krankheit.


SCHWERPUNKT PRÄVENTION

Während die medizinischen Kreise in den Vereinigten Staaten große Fortschritte bei der Diagnose und Behandlung von Krankheiten machen, ist in der Öffentlichkeit ein größeres Bewusstsein für den Zusammenhang zwischen Krankheit und persönlichem Verhalten entstanden. Seit der US-Generalstabsarzt die Amerikaner 1964 zum ersten Mal vor den Gefahren des Rauchens warnte, hat die Zahl der Amerikaner, die rauchen, von fast 50 Prozent auf etwa 25 Prozent abgenommen. Rauchen ist in den meisten öffentlichen Gebäuden sowie in Zügen, Bussen und Flugzeugen, die in den Vereinigten Staaten verkehren, verboten, und die meisten amerikanischen Restaurants sind in Raucher- und Nichtraucherbereiche aufgeteilt. Studien haben eine maßgebliche Verringerung von Lungenkrebserkrankungen mit dem landesweiten Rückgang der Zahl der Raucher in Verbindung gebracht.

Die Bundesregierung hält die Amerikaner auch an, regelmäßig Sport zu treiben, sich gesund zu ernähren und große Mengen Obst und Gemüse zu essen. Mehr als 40 Prozent der Amerikaner treiben heute regelmäßig Sport. Der pro-Kopf-Verbrauch an Obst und Gemüse ist seit den Siebzigerjahren um etwa 20 Prozent gestiegen.

Donna E. Shalala, Gesundheitsministerin der Regierung Clinton, spricht sich oft für wissenschaftliche Forschung und Präventivmedizin aus. Bei einer Konferenz mit Experten aus dem Bereich Medizin und öffentliche Gesundheit 1996 sagte sie: "Wir müssen die Mysterien der grundlegenden Wissenschaft stufenweise offen legen, da das im Laufe der Zeit zu bahnbrechenden Entdeckungen führt. Aber wir müssen unser Netz noch weiter auswerfen. Wir müssen Verhaltensforschung, Beschäftigungsforschung, Gesundheitsdienste und Ergebnisforschung sowie Umweltforschung einbeziehen – alle diese Bereiche haben das Potenzial, Krankheiten zu verhindern und damit den Amerikanern zu einem gesünderen Leben zu verhelfen."

Originaltext: Chapter Seven: A Republic of Science
siehe:http://usinfo.state.gov/usa/infousa/facts/factover/ch7.htm