- • US-POLITIK (27. Januar 2006)
Die Stadt auf dem Hügel
- Ein Überblick über die Geschichte der Vereinigten Staaten - Teil II
DER ZWEITE WELTKRIEG
1939 reagierten die Vereinigten Staaten wiederum zunächst mit Neutralität auf den Kriegsausbruch in Europa. 1941 führte aber die Bombardierung von Pearl Harbor durch die Japaner, einem Flottenstützpunkt auf Hawaii, zum Kriegseintritt der Vereinigten Staaten - zunächst gegen Japan und schließlich auch gegen seine Verbündeten Deutschland und Italien.
Amerikanische, britische und sowjetische Kriegsstrategen einigten sich darauf, zunächst Deutschland zu besiegen. Im November 1942 landeten britische und amerikanische Streitkräfte in Nordafrika, die 1943 über Sizilien auf das italienische Festland gelangten und am 4. Juni 1944 Rom befreiten. Zwei Tage danach D-Day landeten alliierte Streitkräfte in der Normandie. Am 24. August wurde Paris befreit und bis September hatten amerikanische Einheiten die deutschen Grenzen überquert. Am 5. Mai 1945 kapitulierte Deutschland schließlich.
Der Krieg gegen Japan fand im August 1945 ein plötzliches Ende, als Präsident Harry Truman befahl, Atombomben gegen die Städte Hiroshima und Nagasaki einzusetzen. Es wurden fast 200.000 Zivilisten getötet. Die Angelegenheit ruft noch immer hitzige Diskussionen hervor, die Begründung für den Einsatz der Bomben war allerdings, dass die Opferzahlen auf beiden Seiten sogar noch größer gewesen wären, wenn die Alliierten gezwungen gewesen wären, in Japan einzumarschieren.
DER KALTE KRIEG
Nach dem Krieg wurde ein neuer internationaler Kongress, die Vereinten Nationen, ins Leben gerufen, und diesmal traten die Vereinigten Staaten bei. Schon bald kam es zu Spannungen zwischen den Vereinigten Staaten und seinem Kriegsverbündeten, der Sowjetunion. Obwohl der sowjetische Führer, Josef Stalin, versprochen hatte, freie Wahlen in allen befreiten Nationen Europas zu unterstützen, setzten sowjetische Streitkräfte in Osteuropa kommunistische Diktaturen durch. Deutschland wurde in eine westliche Zone unter gemeinsamer britischer, französischer und amerikanischer Besatzung sowie eine östliche Zone unter sowjetischer Besatzung aufgeteilt. Im Frühjahr 1948 riegelten die Sowjets Westberlin in dem Versuch ab, die isolierte Stadt durch Aushungern zur Unterwerfung zu zwingen. Die Westmächte reagierten mit einer massiven Luftbrücke mit Lebensmitteln und Treibstoff, bis die Sowjets die Blockade im Mai 1949 aufhoben. Einen Monat zuvor hatten sich die Vereinigten Staaten mit Belgien, Kanada, Dänemark, Frankreich, Island, Italien, Luxemburg, den Niederlanden, Norwegen, Portugal und Großbritannien verbündet, um die North Atlantic Treaty Organization (NATO) zu gründen.
Am 25. Juni 1950 marschierten die nordkoreanischen Streitkräfte mit sowjetischen Waffen mit Stalins Billigung in Südkorea ein. Truman ließ sich umgehend von den Vereinten Nationen zusichern, dass Südkorea verteidigt werden würde. Der Krieg dauerte drei Jahre an, wobei die abschließende Regelung die Teilung Koreas vorsah.
Die sowjetische Kontrolle Osteuropas, der Koreakrieg sowie die Entwicklung von Atom- und Wasserstoffbomben in der Sowjetunion riefen bei Amerikanern Ängste hervor. Einige glaubten, dass die neue Verwundbarkeit der Nation von Verrätern im eigenen Land verursacht worden wäre. Der republikanische Senator Joseph McCarthy behauptete Anfang der Fünfzigerjahre, dass das Außenministerium und die US-Streitkräfte von Kommunisten unterwandert seien. McCarthy wurde schließlich diskreditiert. In der Zwischenzeit waren jedoch Karrieren zerstört worden, und die Amerikaner hatten fast einen grundlegenden amerikanischen Wert vergessen: Toleranz gegenüber anderen politischen Meinungen.
Von 1945 bis 1970 erlebten die Vereinigten Staaten eine lange Periode wirtschaftlichen Wachstums, das lediglich durch schwache und kurze Phasen der Rezession unterbrochen wurde. Zum ersten Mal in der Geschichte erfreute sich eine Mehrheit der Amerikaner eines angenehmen Lebensstandards. 1960 verfügten 55 Prozent aller Haushalte über eine Waschmaschine, 77 Prozent besaßen ein Auto, 90 Prozent hatten einen Fernseher und fast 100 Prozent einen Kühlschrank. Zur gleichen Zeit bewegte sich die Nation langsam in Richtung ethnischer Gleichberechtigung.
1960 wurde John F. Kennedy zum Präsidenten gewählt. Jung, energetisch und gut aussehend versprach er, dass nach der achtjährigen Präsidentschaft von Dwight D. Eisenhower, dem alternden General des Zweiten Weltkriegs "das Land wieder in Gang kommen würde". Im Oktober 1962 sah sich Kennedy, wie sich später herausstellte, mit der schwersten Krise des Kalten Krieges konfrontiert. Die Sowjetunion wurde bei der Stationierung atomarer Raketen auf Kuba ertappt, die dicht genug waren, um innerhalb von Minuten amerikanische Städte zu erreichen. Kennedy setzte gegen die Insel eine Seeblockade ein. Der sowjetische Regierungschef Nikita Chruschtschow willigte im Gegenzug für das amerikanische Versprechen, nicht auf Kuba einzumarschieren schließlich ein, die Raketen zu entfernen.
Im April 1961 erzielten die Sowjets eine Reihe von Erfolgen im All, indem sie den ersten Mann in die Erdumlaufbahn brachten. Präsident Kennedy reagierte mit dem Versprechen, dass die Amerikaner vor dem Ende des Jahrzehnts auf dem Mond spazieren gehen würden. Das Versprechen wurde im Juli 1969 eingelöst, als der Astronaut Neil Armstrong aus der Mondlandefähre Apollo 11 herauskam und auf die Oberfläche des Mondes trat.
Kennedy erlebte diesen Höhepunkt nicht mehr. Er war 1963 ermordet worden. Er war kein Präsident, der bei allen beliebt war, aber sein Tod war ein schrecklicher Schock für das amerikanische Volk. Sein Nachfolger, Lyndon B. Johnson, brachte eine Reihe neuer Gesetze durch den Kongress, die ein neues Sozialprogramm begründeten. Johnsons "Kampf gegen Armut" ("War on Poverty") schloss die Vorschulausbildung für arme Kinder, die Berufsausbildung für Schulabbrecher und Gemeindedienste für Jugendliche aus Slums ein.
Der Vietnamkrieg nahm Johnson während seiner sechsjährigen Amtszeit zunehmend in Anspruch. Bis 1968 kämpften 500.000 amerikanische Soldaten in diesem kleinen Land, das den meisten von ihnen zuvor kaum bekannt war. Obwohl die Politiker den Krieg als Teil einer notwendigen Anstrengung sahen, dem Kommunismus an allen Fronten Einhalt zu gebieten, sah eine wachsende Zahl Amerikaner keine wichtigen amerikanischen Interessen durch das berührt, was mit diesem Land geschah. Demonstrationen, auf denen gegen das amerikanische Engagement protestiert wurde, gingen von Universitäten aus, und es kam zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Studenten und der Polizei. Die Ablehnung des Krieges weitete sich aus und führte zu einer ganzen Reihe von Protesten gegen Ungerechtigkeit und Diskriminierung.
Durch seine wachsende Unpopularität gekränkt, entschied sich Johnson gegen die Kandidatur für eine zweite Amtszeit. 1968 wurde Richard Nixon zum Präsidenten gewählt.
Er verfolgte eine Politik der "Vietnamisierung" und ersetzte Schritt für Schritt amerikanische Soldaten durch Vietnamesen. 1973 unterzeichnete er einen Friedensvertrag mit Nordvietnam und brachte amerikanische Soldaten nach Hause. Nixon erzielte zwei weitere diplomatische Erfolge: Wiederherstellung der Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und der Volksrepublik China sowie die Verhandlung des ersten Vertrags zur nuklearen Rüstungsbegrenzung (Strategic Arms Limitation Treaty - SALT) mit der Sowjetunion. 1972 gewann er problemlos die Wiederwahl.
Während des Präsidentschaftswahlkampfes wurden jedoch fünf Männer wegen des Einbruchs in die Parteizentrale der Demokraten im Watergate-Gebäude in Washington festgenommen. Journalisten, die den Vorfall untersuchten, fanden heraus, dass die Einbrecher Mitarbeiter in Nixons Wiederwahlkomitee waren. Das Weiße Haus verschlimmerte die Situation noch, indem versucht wurde, die Verbindung zum Einbruch zu verschleiern.
Schließlich zeigten jedoch Tonbandaufzeichnungen, die vom Präsidenten selbst gemacht worden waren, dass er in die Vertuschung verwickelt war. Im Sommer des Jahres 1974 war klar, dass der Kongress kurz davor stand, ihn des Amtes zu entheben und zu verurteilen. Am 9. August trat Richard Nixon als der bisher einzige US-Präsident von seinem Amt zurück.
JAHRZEHNTE DES WANDELS
Nach dem Zweiten Weltkrieg wechselte die Präsidentschaft zwischen Demokraten und Republikaner, wobei die Demokraten meist über die Mehrheiten im Kongress verfügten sowohl im Repräsentantenhaus als auch im Senat. 26 Jahre aufeinander folgender demokratischer Regierung endeten 1980 als die Republikaner die Mehrheit im Senat gewannen und gleichzeitig der Republikaner Ronald Reagan zum Präsidenten gewählt wurde. Dieser Wechsel markierte den Anfang einer Unbeständigkeit, die seither das amerikanische Wählerverhalten charakterisiert hat.
Wie auch immer die Haltung gegenüber der Politik Reagans war, die Mehrheit der Amerikaner rechneten ihm hoch an, dass er sein Land mit Stolz sowie Optimismus erfüllte. Wenn es einen zentralen Leitfaden in seiner Innenpolitik gab, war es der, dass der Regierungsapparat auf nationaler Ebene zu groß und die Bundessteuern zu hoch geworden waren.
Trotz des wachsenden Defizits im Bundeshaushalt begann 1983 eine der längsten Wachstumsphasen in der US-Wirtschaft seit dem Zweiten Weltkrieg. 1986 erlitt die Reagan-Regierung jedoch eine Niederlage als die Demokraten wieder die Mehrheit im Senat stellten. Die schwerwiegendsten Enthüllungen dieser Zeit waren die geheimen Waffenverkäufe der Vereinigten Staaten an Iran, mit denen die Freiheit amerikanischer Geiseln, die im Libanon festgehalten wurden, bewirkt werden sollte sowie die Finanzierung regierungsfeindlicher Kräfte in Nicaragua in einer Zeit, in der der Kongress derartige Hilfe untersagt hatte. Trotz dieser Enthüllungen genoss Reagan während seiner zweiten Amtszeit weiterhin großes Ansehen.
Sein Nachfolger wurde 1988 der Republikaner George Bush, der von der Popularität Reagans profitierte und viele seiner politischen Vorhaben fortsetzte. Als der Irak 1990 in das an Öl reiche Kuwait einmarschierte, stellte Bush eine multinationale Koalition zusammen, die Anfang 1991 Kuwait befreite.
1992 waren die amerikanischen Wähler jedoch wiederum unruhig geworden. Die Wähler machten Bill Clinton, einen Demokraten, zum Präsidenten, nur um zwei Jahre später wieder umzuschwenken und den Republikanern sowohl im Repräsentantenhaus als auch im Senat ihre erste Mehrheit seit 40 Jahren zu verschaffen. Währenddessen brachen diverse andauernde Debatten aus: zwischen Befürwortern einer starken Bundesregierung und Anhängern der Dezentralisierung der Macht, zwischen Befürwortern von Gebeten an staatlichen Schulen und Verteidigern der Trennung von Kirche und Staat, zwischen jenen, die sich für eine schnelle und sichere Bestrafung von Straftätern aussprachen und jenen, die gegen die Ursachen der Kriminalität vorgehen wollten. Beschwerden über den Einfluss von Geld auf politische Wahlkämpfe regten eine Bewegung an, die die Anzahl der möglichen Amtszeiten von gewählten Regierungsvertretern begrenzen wollte. Dies und weitere Kritik am System führte zur Bildung der stärksten Bewegung einer Dritten Partei seit Generationen sie wurde vom texanischen Geschäftsmann H. Ross Perot angeführt.
Obwohl die Volkswirtschaft Mitte der Neunzigerjahre stark war, beunruhigten zwei Phänomene viele Amerikaner. Unternehmen griffen immer häufiger auf einen Prozess zurück, der als downsizing bezeichnet wurde: Die Reduktion der Anzahl der Arbeitnehmer zur Kostensenkung; trotz der Probleme die das für die Arbeitnehmer mit sich brachte. In vielen Branchen war die Kluft zwischen der jährlichen Vergütung eines leitenden Angestellten einer Aktiengesellschaft und dem Einkommen eines durchschnittlichen Arbeitnehmers gewaltig geworden. So machte sich sogar die Mehrheit der Amerikaner, die über materiellen Wohlstand verfügten, Sorgen um den Rückgang der Lebensqualität, den Zusammenhalt von Familien, die nachbarschaftlichen Beziehungen sowie die Umgangsformen. Amerikaner bleiben vielleicht weiterhin die optimistischsten Menschen auf der Welt, aber mit dem nahenden Ende des Jahrhunderts spiegeln Meinungsumfragen weniger Optimismus wider als gewöhnlich.
Originaltext: Toward the City on a Hill A brief history of the United States
siehe: http://usinfo.state.gov/usa/infousa/facts/factover/ch3.htm