- • US-POLITIK (18. Oktober 2005)
Die Medien und ihre Botschaft
- Pressefreiheit, Zeitungen, Radio und Fernsehen
WASHINGTON (AD) Nachfolgend veröffentlichen wir das Kapitel "Die Medien und ihre Botschaft" aus der Broschüre Portrait of the USA, die vom Büro für internationale Informationsprogramme des US-Außenministeriums herausgegeben wurde.
Foto von Steve Liss, Time Magazine
Laut einer vor kurzem durchgeführten Studie verbringt der Durchschnittsamerikaner etwa acht Stunden am Tag mit den Print- und den elektronischen Medien zu Hause, bei der Arbeit und im Auto. In dieser Gesamtstundenzahl sind vier Stunden fernsehen, drei Stunden Radio hören, eine halbe Stunde Musik auf Tonträgern hören und eine weitere halbe Stunde Zeitung lesen enthalten.
Die zentrale Rolle von Informationen in der amerikanischen Gesellschaft geht zurück auf die grundlegende Überzeugung der Verfassungsväter, dass mündige Bürger die stärksten Wächter ihrer eigenen Freiheiten sind. Die Gestalter der amerikanischen Verfassung verankerten diese Überzeugung im ersten Verfassungszusatz, der unter anderem festlegt: "Der "Kongress darf kein Gesetz erlassen,... dass die Rede- oder Pressefreiheit einschränkt." Eine logische Folge dieser Klausel ist, dass die Presse die Handlungen der Regierung überwacht und Aufmerksamkeit auf offizielles Fehlverhalten und Verstöße gegen die Rechte des Einzelnen lenkt.
Der erste Zusatzartikel zur Verfassung und die ihm zu Grunde liegende politische Philosophie ermöglicht den amerikanischen Medien außergewöhnliche Freiheiten bei der Nachrichtenberichterstattung und der Meinungsäußerung. In den Siebzigerjahren deckten amerikanische Reporter den Watergate-Skandal auf, der schließlich zum Rücktritt von Präsident Richard Nixon führte. Amerikanische Zeitungen druckten die "Pentagon-Papiere", geheime Dokumente im Zusammenhang mit der amerikanischen Beteiligung am Vietnamkrieg. Presseberichte über die Korruption offizieller Stellen, die in einigen Ländern zu Festnahmen und der Schließung von Zeitungen führen würden, werden in den Vereinigten Staaten offen verfasst, da die Medien nicht zur Schließung gezwungen werden können, die Regierung nicht verleumdet werden kann und Beamte beweisen müssen, dass eine Behauptung nicht nur falsch ist, sondern auch arglistig gemacht wurde, bevor sie auf Schadenersatz klagen können.
In diesem Kapitel beschäftigen wir uns mit vier Themenbereichen: Zeitungen, Zeitschriften, die Rundfunkmedien sowie aktuelle Themen in Zusammenhang mit den Medien.
ZEITUNGEN: VORREITER DER PRESSEFREIHEIT
1990 feierte die Presse ihren 300. Jahrestag als amerikanische Institution. Die erste Zeitung erschien in den Kolonien. Publick Occurrences: Both Foreign and Domestick hielt sich 1690 genau einen Tag, bevor britische Beamte sie verboten. Aber es entstanden andere Zeitungen, und bis in die Dreißigerjahre des 18. Jahrhunderts war die Presse in den Kolonien stark genug, um britische Gouverneure zu kritisieren. 1734 beschuldigte der Gouverneur von New York John Peter Zenger, den Herausgeber des New York Weekly Journal, der schwerwiegenden Verleumdung. Der Rechtsanwalt Zengers, Alexander Hamilton, argumentierte, dass "die Wahrheit der Fakten" Grund genug sei, eine Geschichte zu drucken. Mit einer Entscheidung, die die Pressefreiheit stärkte, sprach die Jury Zenger frei.
In den Zwanzigerjahren des 19. Jahrhunderts wurden in den Vereinigten Staaten etwa 25 Tageszeitungen und mehr als 400 Wochenzeitungen herausgegeben. Horace Greeley gründete 1841 die New York Tribune, die schnell zur einflussreichsten Zeitung des Landes wurde. Zwei Mediengiganten, Joseph Pulitzer und William Randolph Hearst, begannen nach dem amerikanischen Bürgerkrieg (1861-1865) mit dem Aufbau ihrer Zeitungsimperien. Sie standen in starker Konkurrenz zueinander und bedienten sich des "Regenbogenjournalismus" sensationslüsterner und oft ungenauer Berichterstattung mit dem Ziel, Leser zu gewinnen. Anfang des 20. Jahrhunderts erkannten die Zeitungsredakteure, dass die beste Art und Weise, Leser zu gewinnen, die unvoreingenommene Darlegung aller Seiten einer Geschichte ist. Dieser Standard objektiver Berichterstattung ist heute eine der bedeutendsten Traditionen des amerikanischen Journalismus. Ein weiteres vorherrschendes Merkmal des Journalismus Anfang des 20. Jahrhunderts war die Gründung von Zeitungsketten mit dem gleichen Eigentümer, angeführt vom Hearst-Konzern. Dieser Trend setzte sich nach dem Zweiten Weltkrieg beschleunigt fort, und heute sind etwa 75 Prozent aller amerikanischen Tageszeitungen im Besitz von Ketten.
Das Fernsehen drang in den Vierziger- und Fünfzigerjahren als neues elektronisches Medium in den Zeitungsmarkt ein: Immer mehr Leser nahmen Abschied von der Nachmittagszeitung, weil sie die Nachrichten des Tages im Fernsehen verfolgen konnten. 1971 hatten 66 Städte zwei oder mehrere Tageszeitungen, zumeist eine, die morgens und eine, die nachmittags veröffentlicht wurde. 1995 hatten nur noch 36 Städte zwei oder mehrere Tageszeitungen.
Insgesamt nahm die Zahl der Tageszeitungen nur geringfügig ab, von 1.763 im Jahr 1946 auf 1.534 im Jahr 1994, und die Zahl der Sonntagszeitungen stieg von 497 im Jahr 1946 auf 889 im Jahr 1994. Die Gesamtzahl stellt die größte Zahl von Zeitungen mit der höchsten Gesamtauflage 135 Millionen - der Welt dar. Nichtsdestotrotz ist die Auflage der größten amerikanischen Zeitungen in den letzten Jahren rückläufig, ein Trend, der auf die zunehmende Verfügbarkeit von Nachrichten im Fernsehen und aus anderen Quellen zurückzuführen ist.
Die in Bezug auf die Auflage erfolgreichsten fünf Tageszeitungen waren 1995 das Wall Street Journal (1.823.207), USA Today (1.570.624), die New York Times (1.170.869), die Los Angeles Times (1.053.498) sowie die Washington Post (840.232). Die jüngste der obersten fünf, USA Today, wurde 1982 nach umfangreichen Recherchen der Gannett-Kette als überregionale Zeitung ins Leben gerufen. Sie stützt sich auf auffällige grafische Gestaltung, Farbfotos und kurze Artikel, die das Interesse eines städtischen Publikums wecken sollen, das markante Kurzmeldungen den traditionellen langen Berichten vorzieht.
USA Today entstand mithilfe neuer Technologien, die es auch anderen Zeitungen ermöglichen, ihre nationale und internationale Leserschaft zu erweitern. USA Today wird in Arlington (Virginia) zusammengestellt und herausgegeben und dann per Satellit an 32 Druckereien im ganzen Land und zwei Druckereien für Europa und Asien übermittelt. Die International Herald Tribune, die sich im gemeinsamen Besitz der New York Times und der Washington Post befindet, ist eine internationale Zeitung, die über Satellit in 11 Städten auf der ganzen Welt gedruckt und in 164 Länder verkauft wird.
1992 begann die Chicago Sun-Times, Artikel über America Online anzubieten, eines der ersten Unternehmen, das PCs mit dem Internet verband. 1993 begann die San Jose Mercury-News, den Hauptteil ihres täglichen Textes, mit Ausnahme von Fotos und Illustrationen, an die Abonnenten von America Online zu übermitteln; 1995 kündigten acht Medienunternehmen die Gründung einer Firma an, die ein Netzwerk für Online-Zeitungen schaffen sollte. Mittlerweile sind die meisten amerikanischen Zeitungen im Internet abrufbar, und jeder, der einen PC und Zugang zum Internet hat, kann Zeitungen aus dem ganzen Land in seinem Büro oder Zuhause lesen.
MARKTNISCHE FÜR ZEITSCHRIFTEN
Die ersten amerikanischen Zeitschriften erschienen etwa ein halbes Jahrhundert nach den ersten Zeitungen, und es dauerte länger, bis sie einen breiten Leserkreis fanden. 1893 wurden die ersten Zeitschriften mit Massenauflage eingeführt, und 1923 lancierte Henry Luce die Time, das erste wöchentlich erscheinende Nachrichtenmagazin. Das Fernsehen verursachte einen Einschnitt bei den Werbeeinkünften der Zeitschriften mit Massenauflage, und einige Wochenzeitschriften stellten die Produktion schließlich sogar ein: Die Saturday Evening Post 1969, Look 1971 und Life 1972. (Die Saturday Evening Post und Life erschienen später wieder als Monatszeitschriften.
Die Herausgeber von Zeitschriften reagierten, indem sie versuchten, statt der breiten Masse eine sorgfältig bestimmte Zielgruppe anzusprechen. Es erscheinen Zeitschriften zu praktisch allen denkbaren Themen, unter anderem Tennis, das Leben in Wohnwagen oder auch Modelleisenbahnen. Andere Zeitschriften konzentrieren sich auf bestimmt Segmente ihres Zielpublikums. TV Guide, Time und Newsweek beispielsweise veröffentlichen regionale Ausgaben. Einige Zeitschriften versuchen, den Inhalt jeder Ausgabe auf die Interessen eines einzelnen Lesers zuzuschneiden.
Diese Spezialisierung führte zu einer Steigerung der in den Vereinigten Staaten veröffentlichten Zeitschriften von 6.960 im Jahr 1970 auf 11.000 im Jahr 1994. 1994 hatten mehr als 50 Zeitschriften eine Auflage von mehr als einer Million. Die zwei Zeitschriften mit der höchsten Auflage richteten sich beide an Rentner: NRTS/AARP Bulletin (21.875.436) und Modern Maturity (21.716.727). Zu den fünf Zeitschriften mit der höchsten Auflage zählen Reader's Digest (15.126.664), TV Guide (14.037.062) und National Geographic (9.283.079).
1993 bot Time als erste Zeitschrift eine Online-Ausgabe an, die Abonnenten auf ihrem Computer abrufen können, bevor sie an die Zeitungsstände kommt. 1996 rief Bill Gates Slate ins Leben, eine Zeitschrift über Politik und Kultur, die ausschließlich für die Online-Veröffentlichung geplant war (der Herausgeber entschied sich aber bald, auch eine Printversion herauszugeben).
Seit den Siebzigerjahren gibt es eine beliebte Mischung aus Zeitung und Zeitschrift: den Newsletter. Der typische Newsletter wird auf kostengünstigem Papier gedruckt, ist oft nur vier bis sechs Seiten lang und erscheint wöchentlich oder alle zwei Wochen. In Newslettern werden Informationen zu fachspezifischen Themen gesammelt und analysiert. Southern Political Report beispielsweise berichtet über Wahlkämpfe in den südlichen US-Bundesstaaten, und FTC Watch über Maßnahmen des Ausschusses zur Bekämpfung des unlauteren Wettbewerbs. Newsletter können Produkte eines sehr kleinen Mitarbeiterstabs sein, manchmal erstellt ein einziger Journalist eine Ausgabe am Computer.
Neben dem Newsletter gibt es seit einiger Zeit auch das "zine", ein hochpersonalisiertes Magazin mit relativ kleiner Auflage und manchmal mit Inhalten, die schockieren sollen. Afraid beispielswiese ist eine Monatszeitschrift mit Horrorgeschichten.
DIE ROLLE DES RADIOS
Der Beginn kommerzieller Radiosendungen 1920 brachte eine neue Informations- und Unterhaltungsquelle in die amerikanischen Wohnzimmer. Präsident Franklin Roosevelt begriff die Nützlichkeit des Radios als Kommunikationsmedium. Seine "Plaudereien am Kamin" hielten die Nation über wirtschaftliche Entwicklungen während der Weltwirtschaftskrise und über militärische Manöver während des Zweiten Weltkriegs auf dem Laufenden.
Die weit verbreitete Verfügbarkeit des Fernsehens nach dem Zweiten Weltkrieg führte zu einer Neuorientierung beim Radioprogramm. Das Radio konnte mit der visuellen Präsentation von Drama, Komödie und Varieté kaum mithalten, daher wechselten die Radiosender zu einem Format mit Musik, gemischt mit Nachrichten und anderen Wortbeiträgen. Ab den Fünfzigerjahren wurden Radios zur Standardausführung in amerikanischen Autos. Das Medium erlebte eine Renaissance, als Pendler in den Vereinigten Staaten ihr Radio auf dem Weg zur Arbeit anschalteten.
Die Ausdehnung der UKW-Sender mit besserer Tonqualität, aber einem begrenzteren Frequenzbereich als die Mittelwelle, führte in den Siebziger- und Achtzigerjahren zu einer Teilung des Radioprogramms. UKW wurde zur dominierenden Frequenz im Bereich Musik, während die Mittelwelle sich hauptsächlich auf Nachrichten und Talkformate spezialisierte.
Zu dem Format, das vor 25 Jahren noch kaum existierte, gehört meist ein Moderator, eine bekannte Persönlichkeit oder ein Experte zu einem Thema sowie die Möglichkeit, dass Zuschauer anrufen und Fragen stellen oder ihre Meinung in der Sendung kundtun können. Das Anrufformat gibt es jetzt bei fast 1.000 der 10.000 kommerziellen Radiosender der Vereinigten Staaten.
Trotz der Bedeutung des Fernsehens ist die Reichweite des Radios noch immer beeindruckend. 1994 hatten 99 Prozent aller amerikanischen Haushalte mindestens ein Radio, im Durchschnitt waren es fünf pro Haushalt. Neben den 10.000 kommerziellen Radiosendern gibt es in den Vereinigten Staaten 1.400 öffentlich-rechtliche Radiosender. Die meisten werden von Universitäten und anderen öffentlichen Institutionen aus bildungspolitischen Gründen betrieben und werden durch öffentliche Gelder und private Spenden finanziert. 1991 hörten mehr als 12 Millionen Amerikaner jede Woche die 430 öffentlich-rechtlichen mit National Public Radio assoziierten Radiosender, einer bundesweiten gemeinnützigen Organisation mit Hauptsitz in Washington (D.C.).
FERNSEHEN: MEHR ALS DIE GROSSEN DREI
Seit dem Zweiten Weltkrieg hat sich das Fernsehen zum beliebtesten Medium der Vereinigten Staaten entwickelt, mit enormem Einfluss auf die Wahlen und die Lebensweise des Landes. Fast jeder amerikanische Haushalt 97 Millionen 1994 hat mindestens einen Fernseher und 65 Prozent haben zwei oder mehr.
Drei private Sendergruppen, die kostenlose, durch Werbung finanzierte Programme anboten NBC, CBS und ABC kontrollierten in den Fünfziger- und Siebzigerjahren fast 90 Prozent des Fernsehmarktes. In den Achtzigerjahren unterminierte die rapide Verbreitung der kostenpflichtigen, über Satellit ausgestrahlten Kabelfernsehsender diese privilegierte Position. Bis 1994 hatten fast 60 Prozent aller amerikanischen Haushalte Kabelfernsehen abonniert, und fast 30 Prozent der Zuschauer sahen nicht zu Sendergruppen gehörende Programme. Unter den neuen Kabelsendern waren einige, die 24 Stunden am Tag Filme zeigen, Cable News Network, ein von Ted Turner gegründeter Sender, der rund um die Uhr Nachrichten ausstrahlt, und MTV, der Musikvideos zeigt.
Inzwischen gibt es ein viertes großes kommerzielles Netzwerk, Fox, eine Konkurrenz für die drei großen Sendergruppen; einige lokale Fernsehsender haben ihre Assoziierung von einem der drei Großen zu dem neuen Sender verlagert. Außerdem entstanden zwei weitere nationale Sendergruppen WB und UPN und die Zahl der Kabelfernsehsender nimmt noch immer zu.
Es gibt 335 öffentlich-rechtliche Fernsehsender in den Vereinigten Staaten. Sie sind alle unabhängig und an den Interessen ihrer jeweiligen Gemeinde ausgerichtet. Die Fernsehsender gehören jedoch nationalen Einrichtungen wie dem Public Broadcasting Service an, der die Programme liefert. Der amerikanische Steuerzahler trägt teilweise zur Finanzierung des öffentlich-rechtlichen Fernsehens bei, das schätzungsweise 87 Millionen Zuschauer pro Woche hat. Zu den beliebtesten Programmen zählt "Sesamstraße", eine Kindersendung, die Lesen und Rechnen durch Puppen, Zeichentrickfilme, Lieder und lustige Geschichten vermittelt.
Ende der Siebzigerjahre begannen die amerikanischen Kabelsender, Sendungen für ausgewählte Teilbereiche der Bevölkerung anzubieten. Programme des Silent Network werden mit Gebärdensprache und Untertiteln für die hörgeschädigten Zuschauer des Senders ausgestrahlt. 1988 gründete Christopher Whittle die Kabelsendergruppe Channel One mit Bildungsprogrammen und Werbung für etwa 40 Prozent der amerikanischen High-School-Schüler. Die Konvergenz von Computer, Fernsehen und Faseroptik hat die Möglichkeiten des interaktiven Fernsehens erweitert, so dass Zuschauer Programme auswählen und zu von ihnen bestimmten Zeiten ansehen können.
AKTUELLE FRAGEN
Viele Amerikaner sind besorgt über die große Menge an Gewalt, die ihre Kinder im Fernsehen sehen. Als Reaktion auf Bürgerbeschwerden und Druck vom Kongress einigten sich die vier großen Sendergruppen ABC, CBS, NBC und Fox 1993 darauf, Eltern zu Beginn einer Sendung über gewalttätige Inhalte zu informieren. Die Kabelsender haben sich auf die Ausstrahlung ähnlicher Warnungen geeinigt. 1996 gingen die kommerziellen und Kabelsender einen Schritt weiter und führten ein Bewertungssystem ein, basierend auf gewalttätigen oder sexuellen Inhalten sowie des Sprachgebrauchs einer Sendung. Ein Symbol, das auf die Bewertung einer Sendung hinweist, erscheint zu Beginn und periodisch während der Sendung auf dem Bildschirm.
Derartige freiwillige Maßnahmen sind der staatlichen Regulierung von Sendeinhalten vorzuziehen, da diese wahrscheinlich gegen den ersten Verfassungszusatz verstoßen würden. Eine weitere mögliche Lösung für das Problem ist technischer Natur. Seit 1998 werden neue Fernsehgeräte in den Vereinigten Staaten mit einem "V-Chip" ausgestattet, einer Vorrichtung, mit der Eltern Programme, die ihre Kinder nicht sehen sollen, blockieren können.
Ähnliche Beschwerden wurden über Sprache und Bilder, die über den Computer verfügbar sind, vorgebracht. Der Kongress hat vor kurzem ein Gesetz verabschiedet, mit dem verhindert werden soll, dass anstößige Sprache oder Bilder in den virtuellen Raum gelangen, aber ein Bundesgericht wies dies als nicht verfassungsgemäß zurück. Wenn es eine Lösung für dieses Problem gibt, liegt sie entweder in einer sorgfältigen Überwachung der Zeit des Kindes am Computer durch die Eltern oder der Entwicklung einer technischen Sperre für bestimmte Funktionen des Computers.
Eine der am meisten erörterten medienbezogenen Fragen, mit der sich Amerikaner heute auseinandersetzen müssen, hat wenig mit Technologie und viel mit dem uralten Konzept der Privatsphäre zu tun: Sollte irgendein Bereich des persönlichen Lebens tabu sein, wenn jemand zu einer öffentlichen Person wird? 1988 zog ein führender Präsidentschaftskandidat, Senator Gary Hart, seine Kandidatur zurück, nachdem die Presse über seine Affäre mit einer jungen Frau berichtet hatte. Politiker aus beiden Parteien beschweren sich, die Presse habe es "auf sie abgesehen", und einige konservative Mitglieder des Kongresses behaupten, die Medien seien zu Gunsten der Liberalen voreingenommen. Viele Kritiker sind der Ansicht, dass zunehmende Herumschnüffelei der Medien fähige Menschen, unabhängig von ihren Überzeugungen, davon abhalten wird, in die Politik zu gehen.
Andererseits verschworen sich Journalisten früher regelrecht mit den Politikern, um zu verhindern, dass die Öffentlichkeit etwas über persönliche Schwächen erfuhr. In der Presse wurde nicht über die Behinderung von Präsident Franklin Roosevelt gesprochen, es wurden keine Fotos gezeigt, und sein schlechter Gesundheitszustand wurde den Wählern vorenthalten, als er sich 1944 um eine vierte Amtszeit bewarb. Vielleicht hätte sich trotzdem eine Mehrheit der Wähler für Roosevelt entschieden, aber ihnen die Fakten vorzuenthalten scheint den meisten Amerikanern heute unehrlich. Ihrer Ansicht nach ist es besser, in einer Demokratie Informationen zu teilen, als sie zu unterdrücken.
Originaltext: The Media and their Messages